Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 9 (9.1904)
- Date
- 1904-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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152 No. 9 Fremdherrschaft, die sich . . . in die Interessen des Judentums eingemischt hatte, ein für allemal entschieden abzuweisen*. Und wenn weiter Barkochbas Unternehmungsgeist gerühmt wird, wem drängt sich nicht der Vergleich mit dem erst jüngst verstorbenen Führer der modernen nationalen Bewegung, mit Herzl, auf? Die Persönlichkeit Barkochbas war es, die auf die nationale Erhebung den entscheidenden und bestimmenden Einfluss hatte; und wenn wir hören, wie ihm das ganze Volk, wenige Zweifler ausgenommen, zujubelte, so müssen wir ebenfalls an Herzl denken, der sich durch seine Person selber ebensosehr wie durch den Gedanken, den er vertrat, die Herzen und die Mitarbeit aller erwarb, der ebenfalls in die unklaren nationalen Stimmungen feste Gesetze, in die hier und da verstreuten Völkskräfte Organisation und einen grossen, gemeinsamen Willen hineinbrachte, der dem Judentum, das in Phrasen und tausend Vereinen zu ersticken drohte, Kraft, Energie und ein Ziel setzte, das der nationalen Selbsterlösung. Auch heute freilich ist der nationale Gedanke noch nicht zum Gemeingut aller geworden, und es ist ja bekannt, dass eine recht beträchtliche Anzahl von Juden sich unserer Bewegung gleichgiltig oder gar ablehnend gegenüber verhält. Sie zweifeln an der Möglichkeit der Ausführung des nationalen Gedankens, und vor allem, in ihnen ist noch nicht die Grösse und Notwendigkeit der Volksidee zum reifen Verständnis gekommen. Wie zur Zeit Barkochbas im ganzen jüdischen Volke höchstes Ziel war, die Selbständigkeit und Wiederherstellung des jüdischen Staates herbeizuführen, in dem wieder, > wie ehe* dem, eine jüdische Kultur emporwachsen sollte, so ist auch heute in den Kreisen der Nationaljuden die Anschauung f-undlegend geworden, dass nationale Kultur vertiefte ultur ist. Aber das können und wollen alle die Kreise des Judentums nicht verstehen, die, von falsch verstandenem und wässerigem Kosmopolitismus geleitet, einmal die Existenz einer jüdischen Nation nicht anerkennen, und dann, wenn sie es tun, ein spurloses Untertauchen derselben in der Umgebung wünschen. Barkochba aber und Herzl, die starken Juden einst und jetzt, sprachen selbstbewusst und aufopferungswillig das stolze Wort aus: j'y suis, j'y reste. Sollte es aber nicht nur bei der Begeisterung bleiben, die doch mehr oder weniger ihren ersten, allerdings reinsten Ausdruck nur in Worten findet, so musste auch die praktische Arbeit in Angriff genommen werden. Barkochba bildete die Massen, die sich um ihn sammelten, gründlich für den bevorstehenden Aufstand vor und konnte so schliesslich über ein grosses und erprobtes Heer verfügen. Und dieselbe Aufgabe, die körperliche Ausbildung der Juden, ist ja ein wesentlicher Punkt der vorläufigen praktischen Betätigung