Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 8 (8.1904)
- Date
- 1904-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4921092-5965092-5965214--1070-4923942- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
142 No.8 später brachte das Blatt einen ausführlichen, sympatischen Bericht Ober unsere Turnfahrt. Von Fürstenwalde ab benutzten wir auf den Rat eines alten Bergarbeiters die Feldbahn des Braunkohlenbergwerkes als Wegweiser, die uns in die Rauenschen Berge hineinführte und einigen unter uns insofern eine Erleichterung bot, als sie sich in einem Wagen vorwärts schieben liessen. Vor dem Bergwerk wurde die Fahrt eingestellt, und wir zogen wieder zu Fuss weiter, bis sich der Weg gabelte. Doch „ein edler Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohl bewusst", und so schwenkten wir denn rechts ab. Der rechte Weg war es zwar nicht, aber doch ein Umweg, der sich verlohnte. Mittlerweile war es immer ' heisser geworden, und der andauernde Marsch bergan und bergab begann manchen zu ermüden. Endlich waren die Markgrafensteine erreicht, und nun ging es eilig zu Tale in dem Gedanken an das schöne Mittagessen, das wir in der „Pechhütte" am Scharmützel-See zu bekommen hofften. Gransam war daher unsere Enttäuschung, als wir im Restaurant eintrafen und nur Bier und Seiter zu unserer Restaurierung vorfanden. Jedoch konnte uns weder diese Tatsache, noch der Umstand, dass der Wirt ein höchst unwirscher und ungefälliger Mensch war, unsere gute Laune rauben. Und als wir uns gar erst in die kühlen Fluten des Sees gestürzt hatten, waren wieder alle frisch und mobil, fast wie am Abend vorher. Leider musste das Bad abgekürzt werden, da wir das Motorboot nicht verpassen wollten, das uns nach Station Scharmützelsee bringen sollte, von wo aus die Bahn nach Storkow und Königs-Wusterhausen fährt. Es gelang nur einem Teil von uns wegen Ueberfüllung des Bootes mitzukommen; die übrigen brachen die Partie ab und kehrten nach einer fidelen Kneipe nach Fürstenwalde zurück. Von dort aus ging's nach Berlin. S. H. Mihrlsch-Oatrau. Fünfjähriges Stiftungsfest de« Jüdischen Turnvereins M.-Ostrau und Umgebung. Am 10. Juli fand bei herrlichem Wetter das bereits zweimal verschobene fünfjährige Stiftungsfest des {Udischen Turnvereins in der alten Schiessstätte unter einer grossartigen Beteiligung von Seiten der jüdischen und auch vieler christlichen Familien von Ostrau und Oderfurt statt. Der Gastgarten war festlich dekoriert. Den Eingang schmückten riesige, auf Mastbäumen gehisste Flaggen in den Farben des Vereines und den Turnboden zierten blauweisse Fahnen. Einen prächtigen Anblick gewährten die verschiedenen, äusserst geschmackvoll dekorierten Verkaufsbuden, in welchen ein reizender Damenflor mit geschäftigen Händen seines Amtes waltete. Allenthalben herrschte ein heiteres, reges Leben, wozu die schöne Witterung und der Massenbesuch (2500 Personen) wesentlich beitrug. Die das Promenaden-Konzert besorgende Kapelle des Infanterie-Regiments Edler v. Krieghammer Nr. 100 tat sich ianz besonders hervor, so dass nur eine SÜmme der vollsten Anerkennung herrschte. Frohsinn schwang sein Szepter und die animierte Stimmung war dem Humor der Damen und der Opferfreudfgkeit der Herren des Komitees zu danken, die trotz zweimaligem Missglücken den Mut nicht verloren hatten. Um 51/« Uhr rief ein schmetterndes Hornsignal zum Schauturnen. Nun vollzogen unter den Klängen des Castaldo-Marsches die Turner aus Mähr. Ostrau und Oderfurt, geleitet von dem Vorturner Herrn Louis Stapler, vereinigt stramm den tadellosen Aufmarsch und absolvierten auf dem Turnplatze unter der tüchtigen Leitung des eben Genannten aufs