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Jüdische Turnzeitung · 1904-08-01 · 8 (8.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
8 (8.1904)
Date
1904-08-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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No.8 189 um die Gesundheit der Schüler kümmert. Nichtsdestoweniger ist einzugestehen, dass sehr viele Verbesserungen eingeführt werden müsslen. In welchem Masse kann man sich in unserer Schule mit der körperlichen Ausbildung beschäftigen? Bei dem gegenwartigen Stand der Dinge, scheint es uns schwierig, überhaupt eine wirklich erfolgreiche Änderung ins Werk zu setzen. Wir können zunächst nur nachdrücklich darauf hinweisen, wie vorteilhaft eine einfache und gesunde Nahrung, eine bequeme und den Anforderungen der Hygiene entsprechende Kleidung und eine peinliche körperliche Sauberkeit ist. Aber Worte haben von jeher wenig Erfolg gehabt. Umsomehr wenn Kinder sie hören, obwohl . . . diese Kinder bisweilen besser imstande sind, uns zu verstehen als ihre Eltern. Wir veranlassen unsere Schüler, Spaziergänge und Ausflüge zu unternehmen, sich Bewegung zu machen, sich körperliche Übungen angelegen sein zu lassen und mit einander zu spielen. Aber können sie es? Erst die Schularbeiten, dann die Abspannung und der Mangel an Unternehmungslust, für andere die tatsächliche Unmöglichkeit — denn eine grosse Zahl unserer Schüler wird, wenn sie nach Hause kommen, durch ihre Eltern, durch Aufträge oder die Sorge für die Wirtschaft in Anspruch genommen — lauter Gründe dafür, dass unsere Ratschläge nicht befolgt werden. In der Schule ist es .«uns, in Anbetracht der Anforderungen der Programme unmöglich, für das Turnen viel Zeit zu opfern. Im übrigen ist es keine Kleinigkeit, drei- bis vierhundert Kindern Turnunterricht zu geben. Wenn man jedesmal dreissig bis vierzig Kinder nimmt, und diesem Fache täglich eine Stunde widmet, würde man jedem von ihnen alle zehn Tage etwas Bewegung verschaffen. Freilich Ist auch das noch mehr wert als nichts. Während der Pause muss eine strenge Bewachung herrschen. Dreihundert Kindern volle Bewegungsfreiheit lassen, das hiesse sich einer schweren Verantwortlichkeit aussetzen. Ihre Kämpfe anführen, ihre Spiele ordnen und leiten, würde ein gutes Mittet sein. Aber wir sind noch nicht entschlossen, diese viele Hindernisse bietende Initiative zu ergreifen. Einen besonderen Lehrer zu haben, dessen ganze Arbeit darin bestände, nacheinander alle Klassen turnen zu lassen und während der Pause Spiele zu leiten, wäre noch besser. Aber die Mittel erlauben es nicht Was tun? Der Mangel an Sicherheit ist, glaube ich, der ernsteste Grund gewesen, aus dem man bisher die Lage unserer Schule mitten im Judenviertel gewählt hat. Ist es nötig, daran zu erinnern, wie wenig dieses Viertel den Ansprüchen einer guten Gesundheitspflege entspricht? Dort hat man ganz hübsche Gebäude aufgeführt. Man hat den Klassen eine möglichst gute Lage und angemessene Grösse gegeben; man hat weite Öffnungen darin angebracht, damit Licht und Luft reichlich einströmen können. Aber vor den Fenstern breitet sieh eine Landschaft von Dächern aus, hier und da mit rauchenden Schornsteinen und Flächen, auf denen Wäsche trocknet. Von den Strassen steigt mit dem Geschrei der Händler der Staub der Strassenkehrer oder ein Übelkeit erregender Duft auf. Es würde zweifellos vorzuziehen sein, wenn unsere Schulen . . . sich lieber In einer freundlicheren Umgebung befänden; wenn man statt

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