Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1904-08-01 · 8 (8.1904) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
8 (8.1904)
Date
1904-08-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/4921092-5965092-5965214--1066-4923938
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

138 No. 8 Wenn aber irgend ein Volk es nötig hat, sich körperlich zu regenerieren und gegen die Nachwirkungen einer Vergangenheit voller Unterdrückung, Beraubung und Elend anzukämpfen, so ist es das jüdische Volk . . . Wie stehen die Dinge heute? In welchem Umfange kann man sich mit dieser Erziehung in unseren Schulen beschäftigen? Welcher Reformen bedarf es? Diese drei Punkte möchten wir einer Diskussion mit unsern Kollegen unterwerfen. Es scheint uns keine kühne Behauptung zu sein, wenn man sagt, dass die körperliche Erziehung in unseren Schulen durchaus vernachlässigt wird . . . Bei , allen Bemühungen, den Geist unserer Schüler zu bilden, scheinen wir nicht ihre bleichen Wangen, ihren abgemagerten Körper, ihre erschütterte Gesundheit wahrzunehmen. Wir bilden ihr Gehirn aus, ohne irgendwie für den Körper zu sorgen... Unsere Schüler wissen kaum, dass es eine freie Natur, dass es Felder, Baume, Vögel gibt; Grammatik, Geschichte, Geographie sind ihre einzige Beschäftigung. Und wenn ihr stärkeres Temperament sich auflehnen will, wenn sie versuchen, ihre Glieder zu bewegen, wenn sie laufen, spielen, schreien — schleunigst halten wir sie zurück! . . . Stille auf dem Hof, völlige Uhbeweglichkeit in den Klassen! . . . In der Schule haben unsere Schüler durchschnittlich sieben Stunden täglich Unterricht, ausserhalb der Schule haben sie Aufgaben zu lernen und zu schreiben, und dann lesen sie; sie lesen sogar zu viel. Es ist durchaus nicht übertrieben, wenn man sagt, dass unsere Schüler taglich acht bis neun Stunden Gehirnarbeit verrichten. Und diese Arbeit ist schwierig. Unsere Programme sind überladen. Die Muttersprache der Schüler ist spanisch oder arabisch und sie empfangen einen grossen Teil des Unterrichts französisch. Sie lernen hebräisch und die Landessprache (türkisch, bulgarisch oder eine andere) und sehr häufig eine fremde Sprache (englisch, deutsch, italienisch), wenn nicht gar zwei Sprachen auf einmal. Was haben wir nun für Gegengewichte bei diesen zahlreichen Ursachen der Erschlaffung — erbliche Belastung, körperliche Schwache, unzureichende Nahrung, Kleidung, Überlastung der Programme? Gar keine, oder doch fast gar keine. Wir haben zwar die Einrichtung der Speisung, aber so schön sie ist, erreicht sie nicht und kann sie nicht die Entwicklung erreichen, welche nötig wäre, um den Anforderungen einer von Tag zu Tag wachsenden Armut zu genügen. Der Turnunterricht fehlt in unseren Schulen ganzlich oder er befindet sich hi einem lächerlich schlechten Zustande. Selbst Spiele In den Pausen sind, wenn nicht verboten, wenigstens sehr eingeschränkt . . , Sagen wir es aber gleich: Wie Immer sie seien, so sind doch unsere Schulen, von allen Schulen des Orients, jüdischen oder nichtjüdischen, ausser etwa den Ordensschulen und den von den verschiedenen Regierungen unterhaltenen Anstalten immer noch diejenigen, in denen man sich am meisten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.