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Jüdische Turnzeitung · 1904-08-01 · 8 (8.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
8 (8.1904)
Date
1904-08-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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134 No.8 deutschen Turnen," sagt Rothstein, „an allem objektiven Inhalt und es ist in seinen Wirkungen so verderblich, dass eine sittliche Notwendigkeit seine Unterdrückung fordert." Solchen und anderen Beschuldigungen traten natürlich die deutschen Turner Und im besonderen die Berliner auf das Nachdrücklichste entgegen und bald entwickelte sich zwischen Rothstein und einer kleinen, aber einflussreichen Minderheit einerseits und der Gesamtheit der Jahn-Eisenlenschen Turner andererseits eine heftige Fehde. Dieser Streit zwischen den beiden Parteien konzentrierte sich schliesslich auf Barren und Reck, zwei echt Jahnsche Geräte. Als nämlich im Jahre 1860 in der Zivil - Abteilung der Zentral-Turnanstalt ein Lehrerwechsel eintrat, hielt Rothstein die Zeit für geeignet, Barren und Reck, diese „irratiohellen" und „höchst gefährlichen" Turngeräte, durch Machtspruch aus der Anstalt zu entfernen. Er begründete diese Ausschliessung mit der Behauptung, dass die Uebungen an beiden Geräten „zum Teil der körperlichen Entwickelung und Gesundheit nachteilig, zum Teil entbehrlich seien, weil sie ihren Ersatz vollständig in anderweiten Uebungen finden." Solche Behandlung der beliebten und Beit 50 Jahren bewährten Geräte entfesselte bei den Berliner Turnern einen Sturm der Entrüstung. Rothstein suchte Deckung beim Unterrichtsministerium und veranlasste, dass der Regimentsarzt Dr. Abel, welcher mehrere Jahre als Arzt und Lehrer an der Zentral-Turnanstalt gewirkt hatte, zur Abgabe eines Gutachtens über den Barren vom ärztlichen Standpunkte aus aufgefordert wurde. Das Gutachten Abels lautete ziemlich unbestimmt; es sprach sich weder völlig gegen noch für den Barren aus. Abel erhob zwar gegen einzelne Uebungen den Vorwurf, dass sie infolge einseitiger Ueberanstrengung zu übermässiger Ermüdung, Muskelschmerzen, Bruststechen, Kopfkongestionen, Muskelzerreissungen und Blutergüssen führen könnten, kommt aber schliesslich zu der „unmassgeblichen Ansicht, dass die Barrenübungen in ihrer jetzigen Gestalt und Handhabung der menschlichen Gesundheit wohl nachteilig sein können, dass dagegen bei rationeller Sichtung und bei rationellem Betriebe derselben der Gesundheit nicht Schaden, sondern nur Vorteil aus ihnen, wie aus allen anderen auf physiologischer Basis begründeten Uebungenerwachsen wird." Bei der Wichtigkeit der Sache wurde daher eine erste ärztliche Autorität, Prof. Dr. v. Langenbeck zur weiteren Klarstellung der Frage aufgefordert. Das Gutachten Langenbecks erklärte, „dass die Nachteile und Gefahren des Barrenturnens von dem Dr. Abel in eingehender und durchaus richtiger Weise gewürdigt seien," ging dann auf das Jahnsche Turnen und die „sogenannte schwedische Gymnastik" ein und kam zu dem Schluss, dass das Lingsche System wohl rationeller, jedoch nicht geeignet sei kdas Bewusstsein der eigenen Kraft und den Mut des Jünglings, sowie diejenige Körpergewandtheit zur Entwickelung zu bringen, welche für das Leben von so hoher Bedeutung ist."

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