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Jüdische Turnzeitung · 1904-08-01 · 8 (8.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
8 (8.1904)
Date
1904-08-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No.8 135 In dieser Zeit entstanden dem Barren zwei glänzende Forsprecher in den beiden hervorragenden Gelehrten, Prof. Dr. Du Bois-Reymond und Prof. Dr. Virchow. Beide von Jugend auf Turner — hatten die Segnungen des Barrenturnens am eigenen Leibe erfahren und traten nun mit ihrer gewichtigen Stimme für das deutsche Turnen gegen Rothstein auf. Prof. Dr. Du Bois- Raymond ging in seinenStreitschriften: „Ueber das Barrenturnen und über die sogenannte rationelle Gymnastik" sowie „Herr Rothstein und der Barren" nicht nur mit den Gutachten Abels und Langenbecks scharf ins Gericht, sondern sprach sich auch auf das entschiedenste gegen das ganze schwedische System aus. Am schlechtesten aber kam Rothstein selbst weg. In schonungslosester Weise zerpflückte Du Bois-Raymond alle „abenteuerlichen Behauptungen" desselben, wies ibm grobe Unkenntnis, beschränkte Eingenommenheit und die völlige Haltlosigkeit seiner „windigen Anklagen" nach. Prof. Dr. Virchow brachte den „Barrenstreit" in einer Interpellation im Abgeordnetenhause zur Sprache und fällte ein geradezu vernichtendes Urteil über die sogenannte rationelle Gymnastik. Aber auch die Turnvereine waren nicht müssig. In Petitionen an das Unterrichtsministerium und das Abgeordnetenhaus, in Schriften, Flugblättern und Versammlungen traten sie für das bedrohte Jahnsche Turnen ein und suchten die Wiedereinführung des Barren und Reck durchzusetzen. Von allen Seiten bedrängt, entschloss sich die Regierung, die Entscheidung Uber die Barren- und Reckfrage der „höchsten ärztlichen Autorität in Preussen," der wissenschaftlichen Deputation für das Medizinalwesen zu überweisen. Am 81. Dezember 1862 endlich gab diese Deputation, der auch Prof. Dr. Virchow angehörte, ihr Urteil dahin ab, dass „die Uebungen am Barren vom medizinischen Standpunkte aus zu rechtfertigen, nicht aber zu verwerfen seien." Damit war der Sieg des Barrens besiegelt — Bereits im Jahre 1868 wurde die Wiedereinführung der Barren- und Reckübungen an der Zentral-Turnanstalt und damit an allen Volksschulen Preussens verfügt und — Rothstein ging. Die langsam entstandene Zuneigung der Turner aber für den Barren ist eine dauernde geworden, ha besonderen im Vereinsturnen hat sich der Barren zu einem unentbehrlichen Faktor entwickelt, denn er beansprucht wenig Raum, bietet für alle Fertigkeitsstufen ausreichenden Uebungsstoff und gestattet in verhältnismässig kurzer Zeit gründlichste Durcharbeitung des ganzen Körpers. Bei Schau- und Wettturnen, bei Musterriegen-Vorführungen und allen sonstigen festlichen Veranstaltungen ist der Barren der getreueste Freund des vielgeplagten Turnwarts! Fehlen für Pferd und Reck, für Schaukelringe und Bock die nötigen turnerischen Kräfte, der Barren gestattet noch immer eine anständige Riege zusammenzustellen.

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