Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 7 (7.1904)
- Date
- 1904-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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122 No. 7 Wassmannsdorf*) 1876 in <ler Deutschen Turnzeitung: »Ob die volksüblichen Stütz- und Springübungen an und über Stuhllehnen Jahn zur Erfindung eines Gerätes geführt haben mögen, das eine freiere Haltung, Bewegung und Schwingung des durch die Arme gestützten Körpers ermöglicht, als selbst die Pauschen des Sprungpferdes?" Und er schliesst seine Ausführungen mit der vergeblichen Frage: „Ist niemand imstande die Entstehungsgeschichte des Jahn sehen Barrens aufzuhellen?" Bei den Turnern Jahns spielte der Barren im Vergleich mit Reck und Pferd (Schwingel) eine recht bescheidene Rolle und erfreute sich keiner grossen Beliebtheit. Gemäss der ihm von Jahn zugewiesenen Aufgabe, die Armmuskeln der Turner zu stärken und so ein* Vorübungsgerät zu bilden für das von Jahn besonders hochgeschätzte Pferdturnen (Schwingel), bilden die damaligen Barrenabungen nur zwei Uebungsgruppen: 1. „Alle Hebe-, Stütz- und Stemmübungen, welche bloss die Stärkung der Arme beabsichtigen," 2. „Alle Schwungübungen, wobei die stützenden Arme nur Nebensache und Mittel zum Zweck, der künstliche Schwung hingegen und die geregelte Bewegung des Leibes Hauptsache ist." Dementsprechend widmet Jahn in seiner „Deutschen Turnkunst'' von 1816 den Barrenübungen nur 7 Seiten, während die Uebungen am Reck 19 und die am Schwingel gar 85 Seiten umfassen. Erst in der Zeit der Turnsperre nach 1819, als alle Turnplätze Preussen geschlossen waren und das Turnen in Sälen hinter verschlossenen Türen heimlich sein Dasein fristen musste, scheint sich der Barren, dieses „Gerüst zum Voltigieren". (Bornemann 1818) langsam' und aUmälig die Liebe und Zuneigung der Turner erworben zu haben. Jetzt erst erkannten die Turner, dass dieses „abstrakte hölzerne Gestell" (wie Rothstein später den Barren verächtlich bezeichnete) zu schade war um nur als „Vorübungsgerät" für das Schwingen zu gelten, dass es vielmehr an Uebungsreichtum und Verwendbarkeit jedem anderen Turngerät nicht nur ebenbürtig, sondern sog«: tiberlegen war. Die eingebende Inanspruchnahme, die der Barren in diesen Jahren fand., führte natürlich auch zu einer ausserordentlichen Vermehrung des Uebungsstoffes und so nimmt es kein Wunder, dass die zweite Aufläge der „Deutschen Turnkunst* (1847) den Barrenübungen «inen Raum von 64 Seiten (statt 'der bisherigen 7) zuweist. — Die „Deutsche Turnkunst" von 1847 unterscheidet am Barren: A) Stütz- und Stemmübungen. B) Schwungübungen. C) Hangübungen. D) Barrenschwingen. (Portsetzung folgt). *) Dr.-Karl Wassmannsdorf: „Zur Gesdiiohte der Erfindung und des Erstgeforsuchs der Turngeräte."