Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 7 (7.1904)
- Date
- 1904-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No.7 121 Form aufgestellt werden, ohne Widerspruch aufzunehmen. Die einzige Erklärung, die wir für dieses Verhalten finden, scheint uns die zu sein, dass, wie so oft, so auch hier die Politik den Charaktei verdorben hat. Die Redaktion der Jüdischen Turnzeitung. Blicke in die Geschichte unserer Turngeräte! Von Alfred Flatow.*) II. Barren! Der Barren als Turngerät erscheint zum ersten Male auf dem Jahn'schen Turnplatze von 1812. Der erste "Turnplatz Jahn's, der bekanntlich 1811 eröffnet wurde, besass weder Barren noch Reck (ausser einem Hangelreck!) noch Schwingel (Pferd). Nach der Beschreibung Dürre's**), eines der ersten und bekanntesten Schüler Jahns wies der Turnplatz von 1811 nur folgende Geräte auf: 1einen ziemlich dicken Schwebebaum, 2. ein 20—25 Fuss hohes Tau, 8. ein aus drei jungen Tannenbäumen zwischen drei Fichten angebrachtes Hangelreck, ,4. eine Leiter, 5. zwei Klettermaste 15 resp. 20—24 Fuss hoch, 6. zwei Springet für Frei- resp. Stabspringen, 7. einen Springgraben, 8. eine zweikreisige Schlängelbahn zum Wett- und Dauerlauf. 9. einige Schulgeräte. — Erst bei der Beschreibung des 1812 neu angelegten, zweiten Turnplatzes erwähnt Dürre das Reck und den Barren. Nachdem er erzählt hat, wie schlecht ihm infolge Anlage zum Schwindel das Reckturnen bekommen war, fährt er dann fort: „Dagegen war mir das neue Gerät, der Barren, ein sehr willkommenes. Die in diesem Jahre geübten Stücke waren hauptsächlich: Hüpfen bis zum Stütz an den Holmenenden, gleichzeitig von je Zweien ausgeführt, das Hanteln vor- und rückwärts, im Schritt und mit Hüpfen, Anmunden (damals Daumenkuss genannt), Kehr- und Wendeabspringen nach aussen, Sitzwechsel vor den Händen, Wippen, Aufkippen aus dem Stütz nach dem Unterarm u. s. w. Damit grössere und kleinere Turner an diesen Uebungen, welche viel weniger als die am Reck Teil-, nähme fanden, zugleich beschäftigt sein konnten, wurden schon 1812 drei Barren von verschiedener Grösse errichtet und durch die Worte „Barren (der)," welche Jahn mit Bleistift an den Holm geschrieben, zugleich getauft/ — So verdankt der Barren (— ebenso wie das Reck) — seine Einführung als Turngerät dem alten Jahn, der allerdings die Uebungen an diesem Gerät ursprünglich nur als Vorübungen für das Pferdspringen betrachtete. Unbekannt bis auf den heutigen Tag ist dagegen die Entstehungsgeschichte des Barrens. — So fragt schon *) Vergl. den Aufsatz Im Heft 1 der Jüdischen Turnzettun* 1904. **) Dr. Chr. Eduard' L. Dürre: Aufzeichnungen, Tagebücher und Briefe aus einem deutschen Turner- und Lehrerleben.