Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 7 (7.1904)
- Date
- 1904-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4921092-5965092-5965213--1043-4923916- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
130 So. 7 interessant erscheinen", die aber in der Rubrik „Eingesandt" zur Veröffentlichung gelangen, weil sich die Redaktion nicht „mit dem vollen Inhalt dieser Schreiben zu identifizieren" beabsichtigt. Die erste und letzte dieser Zuschriften bewegt sich in ausgefahrenem Gleise und kann daher Ubergangen werden. Dagegen enthalt der zweite Brief an den Senator Fischer Angaben, deren Unwahrheit das „Familienblatt" kennen musste, die aber trotzdem von ihm unwidersprochen abgedruckt werden, weil ja die schlaue Redaktion durch dfe Vorbemerkung, dass sie sich mit dem vollen Inhalt dieser Schreiben nicht identifiziere, genOgend gedeckt zu haben meint Es heisst darin wörtlich: ......Dass Sie auf die gehässigen Artikel der Turnzeitung nicht antworten wollen und das Ihnen gesandte Material nicht verwenden wollen, bedaure ich sehr, wenngleich Ich begreife, dass sie es unter Ihrer Würde halten, auf solche Glossen zu antworten, zumal Sie . der Ansicht sind, dass die Turnzeitung nicht im Stande ist, das Ansehen des hannoverschen Repräsentanten-Kollegiums herabzuwürdigen. Es ist ja von einer jüdischen Turnzeitung, deren Existenz aufhört, sobald eine jüdische Turnbewegung zu existieren aufhört, nicht zu verwundern, dass sie diesen interessirten Standpunkt der Selbsterhaltung einnimmt, und es mag Ihnen zur Beruhigung dienen, dass nicht nur die ganze Gemeinde in Hannover (bis auf die paar Zionisten) den Beschluss des Repräsentanten-Kollegiums billigt, sondern dass auch nicht eine einzige jüdische Zeitschrift (abgesehen von zionistischen Zeitungen, die ich nicht lese und die — (zumal der jüdische Turnverein in Hannover ein Kind der Zionisten) — auch nicht massgebend) jenen Standpunkt teilt Und doch hatte ich gewünscht, dass die Tatsachen richtig gestellt werden; zunächst folgende: f. Die Turnzeitung verschwelgt ihren Lesern wohl absichtlich, dass Ihre dem Israel. Familienblatt überlassene authentische Darstellung erst auf Ansuchen des genannten Blattes erfolgt ist, wahrend die Turnzeitung den Artikel hinstellt als ob ein „Eingesandt" von Ihnen erfolgt ist, das gar nicht beabsichtigt worden. 2. Sie gaben in Ihrem Briefe anheim, den Inhalt desselben im Interesse der Wahrheit zur Kenntnis der Leser des sehr geschätzten Familienblattes zu bringen, während die Turnzeitung sich einbildet, dass Sie die Briefe zur Kenntnis der durchaus nicht geschätzten Turnzeitung oder vermittelst der Letzteren „zur Kenntniss des Publikums" bringen wollen, zumal Ich bezweifle, dass die Turnzeitung ein grosses Publikum hat 3. Die Turnzeitung verschweigt, dass. ihr Berichterstatter (der auch anderen Zeitungen seinen Artikel eingesandt hat) widerrechtlich die Tribüne des Sitzungssaales betreten hat, um den Verhandlungen jener Interpellation beizuwohnen, zumal nur Gemeindemitglleder zutritt haben; ebenso wird verschwiegen, dass ihm seitens des Zionisten Herrn Dr. Hirsch nahegelegt worden, der Verhandlung beizuwohnen. 4. Herr Dr. Hirsch hat nach meiner Information sein Votum mit nichts Anderem begründet als dass er das Kollegium für nicht befugt erachte, zu dieser Sache Stellung zu nehmen; nach meiner weiteren Umfrage hat Genannter die nachträglich von ihm veröffentlichte Rechtfertigung seines Votums nicht In jener Sitzung ausgesprochen. ..." Es lohnt wirklich nicht, sich aber die Tonart und die aus den Fingern gesogenen groben Unwahrheiten des Verfassers zu entrüsten. Aber wir wundern uns doch, dass die Redaktion der „verbreitesten israelitischen Zeitschrift Europas" sich dazu hergiebt, derartige leichtfertige, grobe, sinnfällig unwahre Behauptungen, die noch dazu in gehässiger, taktloser