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Jüdische Turnzeitung · 1904-07-01 · 7 (7.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
7 (7.1904)
Date
1904-07-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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116 No. 7 jeden Anderen verleiten, sich dieser Liebe bewusst zu werden. Er sah diese Liebe wiederum nur als einen Willen des Volkes zu seiner Zukunft an. Er nahm diese Liebe als etwas Selbstverständliches entgegen, gab sich garnicht die Mühe, dafür zu danken, denn er gab dieselbe Liebe uns in jedem Augenblick wieder. . . . Wir schenkten ihm Arbeit, Zeit und Kraft, er schenkte uns sein Leben. Und was nur wenigen in diesem Masse vergönnt ist: Er besass eine Schönheit, von der man nur in den schamhaftesten Worten sprechen kann, eine Schönheit, die so übergross war, dass man ihn ansah, wie ein griechischer Künstler einen schönen Jüngling, als Meisterbild der Natur. Man sah in ihm eine ideale jüdische Schönheit. Von seiner ragenden Gestalt ging ein Glanz aus, der jeden klein erscheinen Hess, der neben ihm stand. Er stand da wie Saul, um Haupteslänge über seinem Volk. . . . Herzl war zu alledem ein Dichter. Man sagt ihm jetzt nach, er war ein Träumer. Gewiss, er war es, und das war gerade der geheimnisvolle Reiz1, der über ihm ausgebreitet lag. Er war ein grosser Träumer, und in einem wunderbaren Worte hat er, uns gesagt, wie er träumte: „Traum ist von Tat nicht so verschieden, wie mancher meint." Dieser Traum, mit dem er uns umgab, diese Schönheit, sie war es, die uns aus dem Elend immer wieder heraushob. Das war das Rührende an seiner ganzen Erscheinung, dass er dichtete, und diese Dichtung war machtvoller als alle Wirklichkeit. Ein glückseliges Gedicht, das die Zukunft mit der Gegenwart verknüpft, das war uns Herzl. Es ist zerronnen!--Es ist kaum zu fassen, wie nach solch einem Leben, nach solch einer Schönheit eine solche Tragik der Geschichte einsetzen kann, wie niemals vorher. Wann ist es jemals vorgekommen, dass ein Mann, der so sehr wie Herzl lebensnotwendig war für sein Volk, der, wie er, auf seinen Riesenschultern ein Volk tragen musste, so rasch zusammgebroeben ist? Ich glaube, von allen den Schmerzen, die unser armes Volk schon erdulden musste, kam ihm kein Schlag so unerwartet, wie dieser letzte, den wir erleben mussten, wo wir von Tag zu Tag fester hoffen konnten, wo wir das Werk unter seinen Händen märchenhaft gedeihen sahen, wo wir glauben

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