Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 7 (7.1904)
- Date
- 1904-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7 115 fachen Worten, als er den uralten Satz aussprach: „Wenn ich Deiner je vergesse, Jerusalem, dann verdorre meine Rechte", wie ein Schluchzen durch die Reihe der Männer ging, die um ihn versammelt waren, um den Bau des jodischen Volkes wieder aufrichten zu helfen. Da haben wir Herzl kennen gelernt. Der grosse Zug, der alle zwang, mit ihm zu gehen, er kam hier zum Ausdruck, wie nie. . . . Wenn wir in der Mühe und Arbeit verzweifelten — immer und immer wieder gelang es ihm, uns aufzurichten, uns die tiefe Sehnsucht einzuflössen, die ihn trieb. Wenn wir glaubten, dass Herzl müde, seine Arme senken würde, dann erhob er sich frisch und freudig und riss alles mit sich fort. Er ermüdete nie, er ermüdete erst dann, als die letzten Kräfte versagten, denn für sein Volk hat er sich zu Tode gearbeitet. Jene ungeheuere Willenskraft, die ihn immer wieder geradeaus und vorwärts schauen Hess, hat ihn von Anfang an geführt, dem wir blindlings vertrauen konnten; denn wir wussten, unser Wille ist ein Ausdruck seines Willens. Was er wollte, dem konnte man vertrauen, es war der Wille des jüdischen Volkes zu seiner eigenen Zukunft und zu seinem eigenen Leben. Man sagt jetzt vielleicht von ihm: Der „Träumer", der „Schwärmer", er glaubte an sein Werk und an das Ziel; nein, „Glauben" ist nicht das richtige Wort, er glaubte nicht daran, sondern die naturgesetzliche Notwendigkeit hiess ihn das zu tun, was er tat und tun musste, um das Geschick des jüdischen Volkes zu erfüllen. Diese Notwendigkeit sprach aus jedem seiner Worte und lag in seinen Handlungen. Herzl sah geradeaus und zeigte uns mit einer Deutlichkeit ohnegleichen, dass der Weg, den er ging, der kürzeste Weg war. So war er die Feuersäule, die uns in das jüdische Land hineinleuchtete, und wer ihn sah, konnte wieder an die Zukunft des jüdischen Volkes glauben. . . . Man hat ihn jetzt, nachdem sich das Grab über ihm geschlossen, den „ungekrönten König der Juden" genannt, halb im Spott, halb im Ernst. Aber dieses Wort zeigt, was Herzl uns war. Ja, er war ein König in seinem Volke, aber nicht ein König wie andere Könige. Denn man darf wohl sagen, dass noch nie ein König, der eine Krone trug, so geliebt worden ist, wie er geliebt wurde. Die Liebe, mit der er liebte, die aus jedem seiner Worte sprach, diese Liebe strahlte ihm wieder zurück, sein Volk liebte ihn als seinen Besten. So viel Liebe, wie dieser eine Mann auf sein Haupt vereinigt hat, könnte jeden Anderen niederdrücken, 1*