Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 7 (7.1904)
- Date
- 1904-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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114 No. 7 einem Worte ein neues Leben, eine neue Geschichte des jüdischen Volkes schuf. Herzl kam, und jeder, der überhaupt nur an eine Zukunft des jüdischen Volkes glaubte, fühlte, dass der geborene Führer jetzt unter seine Streiter trat. Tausende hatten vor ihm den Traum geträumt von dem Recht des jüdischen Volkes auf seine Heimat, von der Möglichkeit, frei zu leben auf eigner Erde, aber erst in diesem Augenblicke wurde es klar, dass wir ein Volk waren. Und wir können es ruhig sagen, Herzl schuf das jüdische Volk; denn er schuf erst das Bewustsein, dass wir ein Volk seien, dessen Kräfte zu einem Ziele streben. Aus dem Volke, dass nicht wusste, was es wollte, das hin- und herschwankte, schuf er ein wollendes Volk, einen machtvollen Willen, denn er selbst war der Wille. . . . Und ebenso rasch ging er dahin. Was er in übermenschlicher Arbeit geleistet hat, werden wir noch nicht ermessen können, die wir es miterlebt haben. Das werden wir dem Geschichtsschreiber des jüdischen Volkes überlassen. . . . Ein Markstein der jüdischen Geschichte: das war Herzl seinem Volke! . . . Herzl hat es erreicht, dass niemals, so lange es ein jüdisches Volk gibt, das Streben nach Freiheit in ihm ersterben wird und kann. Er selbst hat es schon im Beginn seiner grossen Laufbahn ausgesprochen in der ihm eigenen Schlichtheit und Einfachheit: „Ich weiss nicht, wann ich sterben werde, aber dass der Zionismus, das Streben nach der Heimat, nicht mehr sterben wird, das weiss ich." Das wusste er, und das war es, was ihn wie einen Adler vor uns herschweben Hess. . . . Aber nicht den grossen Staatsmann und Führer, sondern den herrlichen Menschen möchte ich Euch vor die Augen zaubern. Diejenigen, die das Glück hatten, ihn kennen zu lernen, werden wissen, wie schwer es ist, ihn zu schildern in der Lichtgestalt, wie er vor uns stand. Unvergesslich wird es mir bleiben, wie er auf dem 6. Kongress, vor der jüdischen Öffentlichkeit zum letzten Mal, beim Herannahen des Sabbaths das Wort ergriff, um den Kongress zu schliessen, wie er mit milder Weihe den ganzen Kongress aus dem Streit des Tages, aus dem hitzigen Kampfe der Reden heraushob, wie er mit wenigen Worten, mit einem Blick Alle zwang, mit ihm einen grossen letzten Rückblick auf die Arbeit und einen Blick nach vorn zu werfen; und unvergesslich wird es mir bleiben, wie es bei seinen ein-