Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 6 (6.1904)
- Date
- 1904-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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104 No. 5 machen müsse." Diese Worte zeigen, wie man in gewissen jüdischen Kreisen sich gewöhnt hat, alles Jüdische mit den Augen des Gegners zu betrachten. Es heisst, kritiklos alles über einen Kamm scheeren, und zeugt von völliger Unkenntnis unserer Bestrebungen, wenn man diese in eine Parallele zu dem Verhalten der Antisemiten bringt. Bei unseren jüdischen Turnvereinen liegt der Schwerpunkt im Zusammenschluss und in der Sammlung, bei jenen im Hass gegen eine bestimmte Kategorie von Menschen und der Ausschliessung derselben; wir haben uns nicht zusammengefunden, um einen Gegensatz zu Nichtjuden zum Ausdruck zu bringen, oder weil wir uns für besser halten, jene wollen uns als ein schädliches und minderwertiges Element ausschliessen; wir wollen ein Zusammengehörigkeitsgefühl pflegen, wie es im Interesse eines bedrückten, zersprengten Volkes und dessen körperlicher Regeneration liegt, bei jenen ist die ständige Betonung der nationalen Eigenart, weil diese durch Machtmittel hinreichend gesichert ist, gegenstandslos und nur ein Deckmantel für chauvinistische Bestrebungen. Das sind so selbstverständliche Dinge, dass man sie einem Juden nicht erst zu sagen brauchte, und er sollte es lieber den Antisemiten überlassen, uns diesen Strick zu drehen und zu Unrecht unsere Bestrebungen zum Anlass für ihr Vorgehen zu nehmen. Wir erblicken freilich im Gegensatz zu den ängstlichen Herren in Hannover keine „drohende Gefahr" in der Möglichkeit, dass die Antisemiten für sich turnen, wie es im akademischen Leben der Fall ist, und jeder selbstbewusste Jude, in dem die Erinnerung an die jüdischen Heldengestalten der Vergangenheit noch nicht ganz verblasst ist, sollte die Zugehörigkeit zu einem derartigen privaten Verein wie einem Turnverein als unwürdig empfinden, wenn sie auf der anderen Seite nur eine Konzession an die Prinzipien der Humanität und Toleranz bedeutet, und er sollte alle aus einer eventuellen Scheidung erwachsenden Nachteile nicht mit Jammern, sondern mit dem durch Jahrtausende gestählten Kampfesmut des unbeugsamen Juden hinnehmen. Wir überlassen es den Herren Repräsentanten in Hannover, ihre Kirchtumspolitik fortzusetzen und weiterhin vor der „drohenden Gefahr" und dem Verlust ihrer „guten Beziehungen" zu zittern; wir werden stets ohne Furcht vor den Folgen ungerechter Missdeutung unserer Bestrebungen unsere gute Sache verfechten zur Ehre und zum Wohle des jüdischen Volkes. Hamburg. Dr. Besser.