Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 6 (6.1904)
- Date
- 1904-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Wo. 5 103 Pflichten einer jüdischen Gemeindevertretung hat. Die Pflege „guter Beziehungen zu den nichtjüdischen Mitbürgern" ist gewiss eine löbliche Sache, die des Schweisses liberaler Bezirksvereine wert ist, für eine jüdische Gemeindevertretung aber darf nur das Interesse des Judentums massgebend sein. Wenn ich einmal von der bei jenen Herren üblichen Auffassung des Judentums als einer blossen Religionsgemeinschaft ausgehe, so haben wir in der jüdischen Gemeinde einen Zusammenschluss behufs Wahrung religiöser Interessen und in der Gemeindevertretung das ausführende Organ zu erblicken. Wenn diese Vertretung zu irgend einer Erscheinung des jüdischen Lebens Stellung nehmen will, so kann nur die Frage der Förderung oder Schädigung religiöser Interessen in Betracht kommen. Dass in dem Falle, wo bloss andere Gesichtspunkte wie die Pflege guter geselliger Beziehungen geltend gemacht .werden, die Kompetenz der Gemeindevertretung Uberschritten wird, unterliegt keinem Zweifel. Da nun Förderung des Judentums und äusseres Wohlergehen der Juden keineswegs identisch sind, ja bisweilen kollidieren können, so handelt eine jüdische Gemeindevertretung direkt entgegen den ihr anvertrauten Interessen, wenn sie in einem bestimmten Fall derartige rein äusserliche Motive, wie die Furcht vor etwaiger Missdeutung über das jüdische Interesse stellt. Wenn die Herren Repräsentanten nicht mutig genug sind, diese Konsequenz in ehrlicher Erfüllung ihres Amtes zu ziehen und eventuell auf das Wohlwollen hochangesehener christlicher Gönner zu verzichten, so hätten sie schweigen oder sich ein neutrales Forum für die unparlamentarischen Ausbrüche ihres Missbehagens suchen sollen. So aber ist dieser Beschluss ein würdiges Glied in der Reihe der Opfer, die ganze Generationen auf Kosten des Judentums gebracht haben, um sich damit äussere Behaglichkeit und das Wohlwollen Aussenstchender zu sichern. Vielleicht ringt sich die. jüdische Gemeindevertretung Hannovers noch zum konsequenten Opportunismus eines Benedictus Lcvita durch, der durch eine Massentaufe der Judenkinder gute Beziehungen anbahnen wollte. Des Judentumes ganzer Jammer muss den Leser erfassen, wenn er die Motive für die ablehnende Haltung des Repräsentantenkollegiums kennen lernt. Sie gipfeln etwa in folgendem Satz: „Es wurde betont, dass, wer jene Intoleranz der Antisemiten (nämlich die Gründung von Vereinen mit konfessionellem (!) Charakter) kekämpfe, konsequenterweise auch gegen den hier fraglichen Verein der jüdischen Turnerschaft Front