Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 6 (6.1904)
- Date
- 1904-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 105 Ausserordentlich charakteristisch erscheint uns die Begründung, die der einzige Opponent des Beschlusses der hannoverschen Repräsentanten-Versammlung, Herr Dr. med. Salomon Hirsch, in einer Zuschrift an das Hamburger „Familienblatt" seinem ablehnenden Votum gibt. Er schreibt: „Nachdem ich sogleich nach Einbringung der Interpellation beantragt hatte, über dieselbe ohne Debatte zur Tagesordnung überzugehen, weil ich dem Kollegium die Kompetenz nicht zuerkennen konnte, zu dieser Sache offiziell Stellung zu nehmen, führte ich, da die Majorität des Kollegiums für eine Besprechung war und sich auch für kompetent erklärte, gegen die Resulution folgende Gründe in längerer Rede aus: 1. Ich hielte das Repräsentantenkollegium für nicht kompetent, sich mit solchen Angelegenheiten, wie die „Jüdische Turnerschaft - Hannover" offiziell zu befassen. (Diesen Grund gab ich, weil Hauptgrund, bei meiner Abstimmung zu Protokoll.) Wenn das Kollegium sich für berufen erachte, dort einzuschreiten, wo sie glaube, dass dem Ansehen des jüdischen Namens in Hannover ein Schaden entstehen könne, dann gäbe es noch viele andere und schwerer wiegende Dinge und Schäden, die wir beseitigen müssten^ welche viel gefährlicher seien als ein jüdischer Turnverein, der nur Gutes bezwecke. 2. Wenn behauptet würde, dass ein solcher Turnverein hier in Hannover sich nicht „jüdisch" nennen dürfe, weil ja Juden in den hiesigen Turnklub und auch in andere Turnvereine Eintritt fänden und man nicht selbst durch Exklusivität ein schlechtesBeispiel geben dürfe gegenüber der Liberalität der hiesigen Turnvereinigungen, so glaube ich das bestreiten zu müssen. Wohl könnten Juden in den Turnklub aufgenommen werden, doch wäre ich überzeugt, dass, wenn eine Anmeldung en masse kommen würde, wenn sämtliche 67 Mitglieder der „Jüdischen Turnerschaft Hannover" sich zum Eintritt melden würden, man sich sehr besinnen würde, sie zu nehmen, dass im Gegenteil dann eine neue antisemitische Strömung dadurch hervorgerufen werden könne. Wenn eine grössere Menge jüdischer Männer zusammen turnen wolle, so müssten sie sich schon zu einem besonderen Turnverein zusammentun. 3. Der Name „Jüdisch" würde eigentümlicherweise meist bei den Juden selbst Anstoss erregen, die Christen fänden gar nichts darin, sich so zu bezeichnen. Ich müsse auch gegen so scharfe Bezeichnungen, wie sie aus der Mitte des Kollegs gegen die Mitglieder der „Jüdischen Turnerschaft" gebraucht seien, protestieren; dieselben seien durchaus nicht am Platze gegenüber so ehrenhaften Bestrebungen. Wenn man anderer Meinung sei, so könne man die jüdische Exklusivität höchstens „politisch unklug" nennen, aber mehr nicht. Wenn man nichts darin fände, dass sich exklusive jüdische Logen z. B. gebildet hätten, obwohl in den verschiedensten Freimaurerlogen Deutschlands Juden Mitglieder werden könnten, und dass diese Logen spezifisch jüdische Namen trügen, dann könne man auch an der Bezeichnung