Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 4/5 (4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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82 No. 4 recht ist, muss dem andern billig sein, und zwar aus dem sehr naheliegenden Grunde, dass arische und jüdische Weltanschauungen sich nicht miteinander vertragen. Wozu hier also eine künstliche Vermengung herbeiführen, die nicht einmal das für sich hat, dass sie als „notwendiges Uebel" erscheint. Die Zionisten sehen das ein und ziehen sich deshalb von jeder geselligen Gemeinschaft mit den Ariern zurück, denen sie sich nicht länger aufdrängen möchten. Diesen berechtigten Stolz würden wir gern auch bei den übrigen Juden aufflammen sehen. Aber leider scheint dazu wenig Aussicht zu sein". Diese Ironie!! Die famose „Staatsbürger Zeitung" beginnt ihren Leitartikel: „Zum zweiten Male innerhalb weniger Jahre beugt sich die Deutsche Turnerschaft vor dem Judentum, zum zweiten Male verleugnet sie die heiligen Ideale des reinen deutschen Volkstums, wiederum stehen die deutschen Patrioten trauernd bei Seite, wiederum triumphiert Israel. — Nachdem im Jahre 1888 durch den Münchener Beschluss 2500 deutschnationale Turner in Österreich ein paar hundert Juden zuliebe aus der Deutschen Turnerschaft ausgestossen worden waren, ist bei den Verhandlungen des 13. Turntages im alten Abgeordnetenhause in Berlin wiederum der österreichischen Turnerschaft, soweit sie sich noch nicht völlig von Juden hat unterkriegen lassen, ein Schlag ins Gesicht versetzt worden". Das „Grazer Tagblatt": „Wir wissen nicht, was der Tag des 15. Kreises am 29. Mai in Wien beschliessen wird. Zur Zeit gehen die Wogen der Entrüstung begreiflicher Weise sehr hoch und der Ruf nach dem Austritte aus der „Deutschen Turnerschaft" wird ziemlich allgemein erhoben. Kommt es dazu, so wird es allerdings eine böse Rache an den Leitern der „Deutschen Turnerschaft" sein, dass künftig diese ideal gedachte Vereinigung des ganzen Judenvereine unter ihren Fahnen hätte. Aber um die einst so schön bewährte alldeutsche Organisation mflsste es uns ebenso bitter leid sein, wie um die vielen, aufopferungsvollen Kämpfe, die in all den Jahren von den österreichischen Deutschnationalen vergebens geführt worden wären". Die katholische „Märkische Volks-Zeitung": „Liberale Blätter, namentlich die spezifisch jüdischen, feiern diesen Beschluss des Turntages als einen Sieg der „Gerechtigkeit und Toleranz", und eines, das sich durch seine besondere „Bescheidenheit" auszeichnet, fordert in seiner Begeisterung gleich auch die Armee auf, dem Turntag nachzufolgen und alle konfessionellen Unterschiede und Ausnahmen fallen zu lassen. Die konservativen und all- und nurdeutschen Organe dagegen sind über den Beschluss verschnupft und erblicken in demselben den Beweis, dass der Turntag es in der Wahrung völliger Neutralität nach allen Seiten hin sehr genau genommen — aber zu Gunsten Jahn'schen Deutschlands mehr ausgesprochene