Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 4/5 (4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4921092-5965092-5965210--0988-4923863- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. i 75 wichtige, noch jetzt giltige Gesichtspunkte aufgestellt und zweckmässige Anleitungen gegeben. Den Werken von G. verdankt die gesamte neuere Welt die Wiedereinführung der Leibesübungen, welche sich zunächst von Schnepfenthal aus nach vielen Orten Deutschlands, nach Dänemark, Frankreich und der Schweiz verbreiteten. Wenn wir uns rühmen können, dass die Deutschen die Erfinder der neueren Turnkunst für alle Völker geworden sind, so gründet sich dieser Ruhm vorzugsweise auf Guts-Muths und seine Schriften, die bald ins Englische, Französische und Dänische übersetzt wurden und auch den späteren deutschen Turnschriftstellern Anhaltspunkte gewährten. In den geographischen Unterricht hat G. vielleicht zum ersten Male Methode und Leben gebracht. Wie er seine Mitteilungen veranschaulichte, durch die mit seinen Zöglingen unternommenen Wanderungen anregender machte, durch das Zeichnen von Landkarten den Schülern fester einprägte, so hatte noch kaum ein anderer die Sache angegriffen. Auch als Schriftsteller hat er auf diesem Gebiete gewirkt. In Verbindung mit seinem technologischen Unterrichte erschien sein viel gebrauchtes Buch: „Mechanische Nebenbeschäftigungen für Jünglinge und Männer" (Altenburg 1801). Eine besondere Tätigkeit entwickelte er noch bei der Herausgabe der Zeitschrift: „Bibliothek für Pädagogik, Schulwesen und die gesamte pädagogische Literatur Deutschlands", welche mit wiederholt verändertem Titel sich von 1800 bis 1820 behauptete und ihm vielfache Gelegenheit gab, die regen pädagogischen Bestrebungen jener Zeit fördernd zu begleiten. Seit 1797 wohnte Guts Muths im eigenen freundlichen Landhause in dem nicht weit von Schnepfenthal gelegenen Dorfe Ibenhain. Hier entfaltete sich um ihn — er war mit einer Nichte von Salzmanns Gattin verheiratet, die ihm eine Reihe von Kindern schenkte — das traulichste Familienleben, dem er in patriarchalischer Weise vorstand. Nehenbei beschäftigte ihn auch die Pflege seines Blumen- und Obstgartens, die Besorgung seiner Bienenstöcke, die Arbeit an der Drechselbank. Nach Schnepfenthal kam er in früheren Jahren täglich zweimal, später nur einmal, um Unterricht zu erteilen. Die allezeit festgehaltene einfache, naturgemässe Lebensweise Hess ihn im Alter noch rüstig erscheinen. Am 1. Juni 1885 .konnte er sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum feiern; aber zwei Jahre später sah er sich durch das Schwinden der Kräfte genötigt, seine Tätigkeit einzustellen. Er trat völlig zurück Ostern 1889, und schon nach wenigen Wochen führte eine kurze Krankheit am 21. Mai seine Auflösung herbei. Ausser vielen geographischen und pädagogischen Schriften und Aufsätzen in Zeitschriften sind von ihm noch verfasst worden: Katechismus der Turnkunst. 1818. — Spielalmanach. 1802.