Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 4/5 (4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 73 früh schon auf den seiner Natur besonders angemessenen Beruf des Erziehers hingeleitet wurde. Im Jahre 1779 bezog G. die Universität Halle, wo er Theologie studierte, seine pädagogischen Kenntnisse erweiterte und sich zugleich mit Mathematik und Physik, mit Geschichte und den neueren Sprachen eifrig beschäftigte. 1782 in seine Vaterstadt zurückgekehrt, trat er auch wieder in das Rittersche Haus ein, um ' seine pädagogische Tätigkeit mit erweitertem Wissen und grösserer Sicherheit fortzusetzen, die er auch dann nicht abbrach, als das Haupt der Familie 1784 der Tod hinweggenommen hatte. Durch Guts-Muths erhielt Karl Ritter die ersten Anregungen zu seinen grossartigen geographischen Studien; als Knaben führte er ihn 1785 samt seinem älteren Bruder Johannes in Begleitung der Mutter der kurz vorher erst gegründeten Erziehungsanstalt Salzmanns in Schnepfenthal zu. Salzmann, der in dem jungen Hauslehrer bald ungewöhnliche Eigenschaften erkannte, hielt Guts-Muths für seine Anstalt fest, wie er auch die Gebrüder Ritter als Zöglinge aufnahm. Seitdem ist Guts-Muths bis in sein hohes Alter der Schnepfenthaler Erziehungsanstalt treu geblieben. Er übernahm hier neben dem Unterricht in Geographie und Technologie (seine Geschicklichkeit in mancherlei Handarbeiten war anerkannt) mit besonderer Vorliebe seit 1786 den Unterricht in der Gymnastik. Was er für den Betrieb der gymnastischen Übungen in der Anstalt vorfand, war zunächst nur ein in der Nähe gelegener halb freier, halb von Buchen beschatteter Platz. Was Guts-Muths durch Übung und Nachdenken, sowie durch Erforschung dessen, was im Altertum zur Gymnastik gehört, zu dem, was Salzmann aus Dessau mitgebracht hatte, an Stoff in den ersten Jahren gewann, das erschien dann in sorgfältiger Durcharbeitung 1798 in seiner „Gymnastik für die Jugend", von der 1804 eine zweite sehr vermehrte, ja völlig umgearbeitete Ausgabe erschien. Wir lassen hier dasjenige folgen, was G. über seine erste turnerische Tätigkeit und über die Entstehung seiner Gymnastik uns berichtet. Er sagt: „Was ich aus dem uralten Schutte, aus den geschichtlichen Resten des früheren und späteren Altertums heraüsgrub, was das Nachsinnen und bisweilen der Zufall an die Hand gaben, wurde hier nach und nach zu Tage gefördert zum heiteren Versuche. So mehrten sich die Hauptübungen, spalteten sich bald so, bald so in neue Gestaltungen und Aufgaben und traten unter die oft nicht leicht auszumittelnden Regeln. So entstand nach sieben Jahren in der ersten Ausgabe meiner Gymnastik die erste neue Bearbeitung eines sehr vergessenen und nur noch in geschichtlichen Andeutungen vorhandenen Gegenstandes." — „Zwei Jahre später, 179S, erschien eine zweite Bearbeitung des Gegenstandes im zweiten Teile der Encyklopädie der Leibesübungen von Vieth, geschrieben mit trefflicher Sachkenntnis und Bücherkenntnis zugleich. Indes arbeitete ich in Schnepfenthal immer