Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1904-04-01 · 4/5 (4.1904) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
4/5 (4.1904)
Date
1904-04-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4921092-5965092-5965210--0981-4923856
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

68 No.4 haben vorbin dargelegt, dass mit dem Beschlüsse des jüngsten Turntages die Judenfrage durchaus nicht zum Abschluss gelangt ist. Ob auch am Ende die Juden über ihren Sieg frohlocken werden, ob nicht auch nach dem etwaigen Ausscheiden der erzürnten antisemitischen Oesterreicher die Deutsche Turnerschaft sich von dem nunmehr zum überflüssigen Anhängsel gewordenen und an eine so trübe Vergangenheit gemahnenden deutschfreiheitlichen Verband frei machen wird, darüber brauchen wir uns nicht den Kopf zu zerbrechen. Nur die Frage der intakten Ehre fordert unsere Stellungnahme heraus. Jene jüdischen Turner haben anfanglich, als der Arierparagraph zum Kreisbeschluss erhoben wurde, den auch von uns geteilten Standpunkt vertreten, dass dieser Beschluss einen Bruch der Verfassung der deutschen Turnerschaft enthalte. Aber anstatt die Konsequenzen aus diesem Prinzip zu ziehen, haben sie in der Erkenntnis, dass die Versuche, diese an ihre Ehre greifende Bestimmung auszumerzen, erfolglos sein würden, eine charakterlose Schwenkung vollzogen und sich mit der von Seiten der Mehrheit der deutschen Turner zweifellos gutgläubig gegebenen Auslegung der Statuten zufrieden gegeben. Ein Kompromiss, das ihnen nur Duldung, kein volles Recht verlieh! Und trotz dieses klaglichen Ausgangs des ganzen Streits fühlen sie, über deren Duldung verhandelt wurde, sich wie siegreiche Feldherrn! Denken sie denn nicht daran, dass dieser angebliche „Triumph" nur mit einer Preisgabe ihrer Manneswürde, ihrer ganzen Persönlichkeit erkauft worden ist? Wie trefflich passt zu diesem für alle selbstbewussten Juden überaus traurigen Schauspiel die offene Verläugnung seiner jüdischen Stammeszugehörigkeit, die sich der Sprecher jener jüdischen Turner auf dem Turntag, Professor Gad, leistete. Er überbot sich schier,' ohne auf die eisige Ruhe zu achten, mit der man seine Worte im ganzen Saal aufnahm, in deutschnationalem Chauvinismus, er schien mit dem gewaltigen, einer besseren Sache würdigen Pathos die Erinnerung an sein Judentum, an das noch sein Name erinnert, übertönen zu wollen. Und dieses arme Judentum, dessen sich keiner dort annehmen wollte, hat auch diesmal, wie bei so vielen Gelegenheiten, dazu herhalten müssen, das Ziel des Hohnes der österreichischen Antisemiten zu bilden. Uns aber haben jene Stunden eine ernsthafte Lehre gegeben: zwischen unserem und dem dort vertretenen Standpunkt kann und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.