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Jüdische Turnzeitung · 1904-04-01 · 4/5 (4.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
4/5 (4.1904)
Date
1904-04-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No.4 67 Man fragt unwillkürlich nach den Gründen, die den Turntag bewogen haben, trotz der gewaltigen Gegenagitation des 55 000 Mann starken, alten XV. Kreises, den doch nur 7000 Mitglieder zählenden deutsch-freiheitlichen Vereinen ein solches Zugeständnis Zu machen. Noch dazu, wo die österreichischen Antisemiten das Gespenst ihres völligen Austritts aus der Turnerschaft an die Wand malten! Zweifellos glaubte die Mehrheit der Turnerschaftsführer mit der Verleihung der Kreisrechte an die deutsch-freiheitlichen Vereine einen Weg eingeschlagen zu haben, der noch die Möglichkeit einer Versöhnung beider Parteien bot. Aber dieses Kompromiss wird, wie seine Befürworter wohl wussten, aller Wahrscheinlichkeit nach für die Antisemiten unannehmbar bleiben, es birgt in sich den Keim des schon angedrohten Austritts der Deutsch-Österreicher und führt so vielleicht die deutsche Turnerschaft heraus aus der alldeutschen Sphäre in die reichsdeut sehe: eine für die bisher deutsch-nationale Turnerschaft jedenfalls, unerfreuliche Eventualität. Aber, dass trotz alledem der Turntag und der Ausschuss sich in diesem Kampfe auf Seiten der Juden stellen, ist eine wahrhaft erhebende Tatsache. Es herrscht eben noch ein Stück alten achtundvierziger Geistes und ein Rest des hohen Geistes der Freiheitskriege in den Reihen dieser Männer — steht doch ein alter Achtundvierziger gebietend an der Spitze der Gesamtorganisation! — und es hiesse mit den bewährten liberalen Turnertraditionen brechen, wollte man offiziell dem Antisemitismus Zugeständnisse machen! Nicht um der schönen Augen der gemassregelten Juden haben die Turnerschaftsmänner den sie ehrenden Entschluss gefasst, sondern aus Gründen der Gerechtigkeit, aus einer ehrlichen Überzeugung. Mit und nach diesem Beschlüsse wird, das wissen wir, der versteckte Antisemitismus in den Massen der deutschen Turner weiter grassieren; keinem Vereine wird es verwehrt sein, wie früher, so nun auch jetzt kraft ungeschriebenen Gewohnheitsrechtes die Juden auszuschliessen, etwa so, wie es die akademischen Turnvereine gemacht haben. Sei dem auch, wie ihm wolle, wir, die wir abseits von diesem Streite stehen, können nicht umhin, freimütig zu erklären: Seht, so haben Ehrenmänner gehandelt! Wie aber steht es zwischen uns und den jüdischen Turnern der deutsch-freiheitlichen Vereine, die in diesen, wenn vielleicht auch nicht überall, die Mehrheit, so doch die Führung haben? Wir

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