Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 4/5 (4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4921092-5965092-5965210--0978-4923853- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No.4 65 wenn Juden als Juden turnen und sich offen zu ihrer Nationalität bekennen. Der Beschluss des Repräsentanten - Kollegiums zu Hannover steht also einzig da. Nirgends ist uns sonst ein Vorwurf daraus gemacht worden, dass wir jüdischen Turner das Prinzip der Firmenwahrheit auch auf die Namen der von uns begründeten Turnvereine zur Anwendung bringen. Jedermann darf, jedermann soll es wissen, dass wir als Juden turnen. Der Name Jude bedeutet eine Parole. Seinen verzehrenden Hass und seine tiefe Verachtung legt der Antisemit in dieses Wort, wir setzen dagegen unsere heilige Liebe zum jüdischen Stamm und den stahlharten Stolz auf unser Volk. Das ist uns das Wort Jüdisch", in diesem Worte liegt für uns die nationale Welt unserer grossen und ernsten, erschütternden aber auch erhebenden Geschichte, deren oft betränte Fäden sich bis auf den heutigen Tag fortgesponnen haben. Das Wort: „Wir sind Juden", werden wir so lange gebrauchen, bis man uns völlige Gerechtigkeit zu Teil werden lässt, nicht etwa jene gesetzliche, ämterverteilende Gerechtigkeit, sondern eine ehrliche, freiwillige, unerzwungene Anerkennung. Die Judenfrage auf dem Deutschen Turntage. Von Dr. M. Zirker. Schon wiederholt ist in dieser Zeitschrift auf die eigentümlichen Verhältnisse hingewiesen worden, in denen sich die jüdischen Turner Österreichs, soweit sie Mitglieder der „Deutschen Turnerschaft" sind, seit einer Reihe von Jahren befinden. Heute, nachdem der Deutsche Turntag, welcher vor kurzem in Berlin tagte, der Entwicklung dieser Dinge eine bedeutsame Wendung gegeben hat, auch heute liegt für uns jüdisch-nationale Turner ebenso wenig wie früher ein unmittelbarer Anlass vor, diese Vorfälle hier und Uberhaupt in unserem Kreise zu erörtern. Denn an unserem Programm, das sich einzig und allein auf selbstständigen nationalen Oberzeugungen aufbaut, kann das Bestehen oder Nichtbestehen, oder richtiger gesagt, das Auf und Nieder der antisemitischen Strömung innerhalb der Deutschen Turnerschaft nie und nimmer rütteln. Unsere Bewegung ist keine Frucht des Antisemitismus, keine Abwehrbestrebung; sie ist deshalb von vornherein von einer Abschwächung der antisemitischen Angriffe unabhängig. Aber ein mittelbares Interesse haben wir daran, das