Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 4/5 (4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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64 No. 4 will. Die reife Besonnenheit des weisen Gemeinderats wird die jugendlich unbesonnenen Vereinsgründer — vielleicht väterlich mild, vielleicht auch drohend — davor warnen, auf der schiefen Ebene des jüdischen Particularismus zu verharren. Die Mitglieder eines Kollegiums, das sich als jüdisch bezeichnet, wollen es einem jüdischen Turnverein verwehren, sich noch länger jüdisch zu nennen, sie wollen es nicht dulden, dass dieser Verein ausschliesslich Juden die Mitgliedschaft gewährt. Derartige Vereine gefährden die Judenheit! Denn was wird Hinz und Kunz zu einem jüdischen Turnverein sagen? Ein solcher ist auffällig und ihr sollt nicht auffallen! Untertauchen sollt Ihr, tief untertauchen, Eure Reden und Handlungen sollt Ihr bemessen nach der Normalelle des israelitisch-hannoveraniscben Repräsentanten-Kollegiums, zerbrechen sollt Ihr Euren jüdischen Eigensinn, oder Ihr sollt ihn wenigstens von uns, den jüdischen Repräsentanten, zerbrechen lassen! Der Missbilligungsbeschluss der Herren Warner und Retter trifft nicht nur die „Jüdische Turnerschaft Hannover", sondern indirekt auch die Repräsentanzen der jüdischen Gemeinden in denjenigen Städten Deutschlands, in welchen jüdische Turnvereine, von jüdischen Behörden ungewarnt, existieren. Ein Blick auf die „Turntafel" der Jüd. Turnzeitung lehrt uns, dass ausser dem Turnverein zu Hannover in Deutschland allein noch zehn jüdische Turnvereine bestehen. Die „Jüdische Turnerschaft Hamburg", aus deren Statuten die perhorreszierten Paragraphen 1 und 2 in die Satzungen der „Jüdischen Turnerschaft Hannover" wörtlich übergegangen sind, findet seitens der jüdischen Gemeindebehörden warme Anerkennung. Auch den ausgesprochen national - jüdischen Turnvereinen — und das sind gerade die kraftvoll aufstrebenden, mitgliederreichen Organisationen — haben die jüdischen Gemeinden kein Hindernis in den Weg gelegt. Ja, dem national-jüdischen Turnverein Bar Kochba ist sogar' die Halle der jüdischen Knabenschule zur Benutzung für den Turnbetrieb von der hiesigen jüdischen Gemeinde unentgeltlich überlassen worden, auch hat der Berliner Turnverein von ihr materielle Unterstützung erfahren. Und in Hannover wird der jüdische Turnverein mit der zahmsten aller Tendenzeu wegen seiner „Gefährlichkeit für die Gesemtjudenheit in Deutschland" missbilligt! Bisher ist weder in Hamburg noch in einer anderen deutschen Stadt bei irgend einer jüdischen Gemeinde der Gedanke aufgetaucht, dass „Israel in Gefahr" sei,