Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 4/5 (4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ko. 4 63 Nur ein Herr trat auf, der die Angriffe auf die Gründer der Jüdischen Turnerschaft, die immerhin doch nur Gutes beabsichtigt hatten, unerhört fand. Das Kollegium nahm schliesslich folgenden, dem Sinne nach wiedergegebenen „Beschluss" an: „Das Repräsentanten-Kollegium der jüdischen Gemeinde Hannover missbilligt den Namen und den Aufnahmeparagraphen des neuen Vereins .Jüdische Turnerschaft Hannover". Das Repräsentanten-Kollegium wird sich mit dem Turnrat in Verbindung setzen zwecks Aenderung der obengenannten Paragraphen." Herr Dr. Hirsch gab darauf zu Protokoll: Ich halte das Repräsentanten-Kollegium nicht für befugt, einen solchen Beschluss zu fassen. Es wäre ausserordentlich bedauerlich gewesen, wenn das Repräsentanten-Kollegium,« der Ansicht des Herrn Dr. Hirsch folgend, sich für inkompetent erklärt hätte, und wenn so aus dem lediglich formal-juristischen Grunde der sachlichen Unzuständigkeit die Diskussion hätte unterbleiben müssen. Glücklicherweise hat das Kollegium, das sich als hoher Gerichtshof konstituiert hatte und über die abwesende Angeklagte, die „Jüdische Turnerschaft Hannover" zu Gericht sass, seine Zuständigkeit für begründet erachtet, weil es sich um das „Interesse der Gesamtjudenheit" handele. Diese Begründung verdient Beachtung. Das „Interesse der Gesamtjudenheit!" Wie gross und stolz das klingt! Und doch wieviel Phrase kann sich hinter diesen Worten verbergen! Leider hat auch hier das sogenannte Interesse der Gesamtjudenheit herhalten müssen zur Begründung für die erbärmlich kleinliche Lokalpolitik — beinahe hätte ich Kirchturmspolitik geschrieben — die die jüdischen Herren Repräsentanten betreiben. Denn erst die Begründung eines jüdischen Turnvereins in Hannover hat sie zu einer Protesterhebung aufgerüttelt, während es ihnen vorher niemals eingefallen ist, gegen die jüdischen Turnvereine in anderen deutschen Städten Stellung zu nehmen. Und dazu waren sie von ihrem Standpunkt aus verpflichtet. Das jüdische Repräsentanten-Kollegium tadelt es, dass ein Turnverein sich jüdisch nennt und nur Juden als Mitglieder annehmen