Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1904-04-01 · 4/5 (4.1904) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
4/5 (4.1904)
Date
1904-04-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4921092-5965092-5965210--0975-4923850
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

62 No. 4 Taktik sind geteilt. Je nach der Auffassung will daher, wie man munkelt, der eine seinen jungen Leuten den Eintritt in den ominösen Verein verbieten, der andere hingegen möglichst alle seine Angestellten zum Beitritt veranlassen, damit die Gründer und der Stamm des Vereins Oberstimmt werden, und so die anstössigen jüdischen Paragraphen durch Majoritätsbeschluss entfernt werden können. Wenn es auf diese Weise den jüdischen Brotherren in Hannover, gelingt, unter die Vereinsbrüder Zwietracht zu säen, werden sie vermutlich den Namen „Eintracht" als passendere „allgemeine" Bezeichnung für den Turnverein vorschlagen. Soviel über die in Privatzirkeln geplanten Massnahmen gegen die Jüdische Turnerschaft! Aber auch das offizielle Judentum Hannovers hat sich — wie es bei einer so wichtigen Angelegenheit ganz selbstverständlich ist — zum Einschreiten gerüstet. Darüber wird uns folgendes berichtet: In der vorigen Woche brachte ein Mitglied des Repräsentanten- Kollegiums in öffentlicher Sitzung dieser Körperschaft eine Interpellation ein, in der darauf hingewiesen wurde, dass der Name sowie der Aufnahmepassus in den Statuten*) der „Jüdischen Turnerschaft" die schwerwiegendsten Folgen für alle jüdischen Turner Deutschlands nach sich ziehen könnten. Demgemäss beantragte der Interpellant, das Repräsentanten-Kollegium möchte gegen den Verein Stellung nehmen. Der Vorsteher der Synagogengemeinde, Herr Dr. Hirsch, erklärte, das Kollegium sei nicht befugt, über den Gegenstand der Interpellation zu diskutieren, noch weniger aber dürfe es gegen den Turnverein auftreten. Dieser Auffassung trat der 1. Vorsitzende des Repräsentanten- Kollegiums, Herr Senator Fischer, entgegen und betonte ebenfalls die Gefährlichkeit einer jüdischen Turnerschaft für die Gesamtjudenheit Deutschlands. Darauf trat man in die Diskussion ein. Herr Rechtsanwalt Dr. Wolfes, der das Wort ergriff, erklärte es für eine Kühnheit, Dreistigkeit, Unerhörtheit, für einen Skandal, dass ein solcher Verein ins Leben gerufen worden sei und bat die Versammelten, gegen den Verein aufzutreten. *) Die fraglichen Paragraphen lauten wörtlich: S i. „Der Verein fahrt den Namen „Jüdische Turnerschaft Hannover'1. Der Zweck der Turnerschaft ist, durch regelmassige Turnübungen im Kreise ihrer Mitglieder die allseitige Ausbildung des Körpers zu erstreben, sowie die Ausbreitung des Turnens unter der jodischen Jugend zu fordern, dadurch geistige und sittliche Bildung zu heben, und vaterlandischen Sinn zu pflegen." § a. „Mitglied kann jeder unbescholtene Jude werden."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.