Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 3 (3.1904)
- Date
- 1904-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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50 No. 3 nach Japan ebneten, sind auch einzelne Juden eingewandert.. Die ersten, deren Namen bekannt sind, kamen in der Mitte des vorigen Jahrhunderts nach Japan; diese waren englische Juden, welche infolge der Geschäftsverhältnisse zwischen England und Japan dort hinkamen. Ein Mann aus der Familie Salomon war der erste, der grössere Geschäfte mit Japan machte, und später Hess er sich dort ganz nieder und liess auch seine Bekannten und Verwandten zu sich kommen, stellte sie als Beamte in seinem Geschäfte an und bildete in seinem Hause ein eigenes Minjan. Ausser den englischen Juden finden wir jetzt auch einzelne französische Juden. In Tokio waren im Jahre 1880 zirka 20 jüdische Familien, indessen haben sie keine eigene Gemeinde gegründet. Die meisten sind nicht religiös, und deshalb liegt ihnen nicht viel daran, eine Gemeinde zu gründen, obwohl ihnen seitens der Regierung kein Hindernis in den Weg gelegt wurde. Denn seit 40 Jahren sind alle gesetzlichen Unterschiede zwischen den Angehörigen der verschiedenen Religionen geschwunden. Zwar gibt es noch politische Ausnahmen für die Ausländer, besonders in den Hafenstädten, doch in religiösen Fragen herrscht dort völlige Freiheit. Aber die Aufhebung selbst dieser politischen Einschränkungen ist nur noch eine Frage der Zeit. In Tokio und Yokohama finden wir gegenwärtig eine ansehnliche Zahl jüdischer Kaufleute, die das Recht und auch die Mittel dazu haben, Gemeinden zu gründen, aber der innere Trieb fehlt ihnen. Als Ansiedlungsland für die Juden ist Japan nicht geeignet, weil das Land so klein ist, dass es kaum die Eingeborenen fassen kann. In der letzten Zeit hat Japan sich mehr der Industrie zugewandt und könnten daher jüdische Unternehmer dort ein Arbeitsfeld finden; aber es dürfte doch sehr schwer halten, den tüchtigen und auf der Höhe der Zeit stehenden Japanern Konkurrenz zu machen. Dagegen gibt es dort ein grosses Gebiet für Handeltreibende, und in den Grenzstädten, wie Korea etc. können auch jüdische Handwerker Beschäftigung finden. In Korea sind nur wenige Juden, welche in den letzten Jahren eingewandert sind. Auch in Söul gibt es einzelne Juden, aber infolge der seit Jahren herrschenden Unruhen ist die Tätigkeit dort gehemmt". Die erste jüdische Firma, welche (1880) in der japanischen Stadt Yokohama errichtet wurde, war „Ginsburg und Brüder". Sie beschäftigte sich mit dem Verladen und Ausladen von Schiffen; später gründete sie auch in anderen Häfen Filialen.