Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 2 (2.1904)
- Date
- 1904-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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32 No. 2 der Vergessenheit anheimgefallen ist. Als im Jahre 1499 das badische Städtchen Thiengen an der schweizerischen Grenze von Eidgenossen belagert wurde, zeichnete sich ein Jude durch besondere Treffsicherheit und grossen Mut aus. „Er schoss gut und erstach viel Mann". Unter den Opfern seiner sicheren Hand und seines scharfen Auges befanden sich der Fähnrich von Sursen und der Büchsenmeister von Fryburg (Freiburg), der selbst als hervorragender Schütze galt. Dem jüdischen Schützen kam jedoch seine Kunst teuer zu stehen: er musste sie mit seinem Leben bezahlen. Die Freiburger sannen nämlich auf Rache und bemühten sich seiner habhaft zu werden. Wie die Geschichte erzählt, wurde er den Feinden ausgeliefert, die nun ihren Rachedurst an ihm stillen konnten; sie hingen ihn an den Füssen auf und überliessen ihn einen Tag und eine Nacht seiner Qual, die sie dadurch beendigten, dass sie ihm den Kopf abhieben.*) Auch mit der edlen Fechtkunst, der klassischen Übung der Geistesgegenwart und Gewandheit, haben sich Juden des Mittelalters beschäftigt. So lesen wir in Salomon aben Vergas Schevet Jehuda**), dass schon die jüdischen Jünglinge in Spanien unter Alfons XI. Fechtunterricht genossen. Aus dem Bestreben, diese Kunst zu erlernen, wurde den damaligen Juden ein Vorwurf gemacht; glaubte man doch befürchten zu müssen, sie wollten diese Kunst einst gegen ihre andersgläubigen Mitbürger verwenden. Wie in Spanien so gab es auch in Deutschland und Oesterreich Juden, die sich im Fechten übten. In einem von Rudolf II. bestätigten Freibriefe der Präger Federfechter heisst es: „Die weil sich befunden, dass in der Stadt Prag und auch anderswo die Juden von den Marxbrüdern***) nur um des schnöden Gewinneswillen fechten gelehrt und unterrichtet worden, also dass sie bisweilen auf den Schulen öffentlich fochten und sich Marxbrüder genannt, welches ein Unzier und Christen verweislich, deshalb so wird denen von der Feder verboten, dass sie keinen Juden oder Ungetauften weder um noch ohne Geld die Kunst des Fechtens *) Kayserling, „Ein jüdischer Schütze", Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 1863, Seite 111. **) Deutsche Übersetzung ed. Wiener, Hannover 1856, S. 51. **•) Marxbrüder Brüder des St. Markus: eine ursprünglich in Frankfurt a. M. bestehende Fechtgesellschaft, von der später Zweigvereine in zahlreichen deutschen Städten entstanden. — Die Federfechter haben entweder Ihren Namen vom St. Veit oder es ist ihr Name auf die Bezeichnung „Feder" für einen dünnen Degen zurückzuführen.