Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 2 (2.1904)
- Date
- 1904-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2 33 lehren, oder deren geheime Stücke und Vortheile ihnen wissen sollen; sondern der Einer für sich selbst herfürtrete soll er abgeschaft und Keinem wider ihn das Schwert aufzuheben gestattet werden. Die Meister von der Feder aber, sie seien einfache oder probierte, die solches überschreiten und einigen Juden vermeldter massen lehren würden, sie sollen nach Erkenntnis der ersten Hauptleute entweder mit Einstellung der Schule auf ein Jahr lang oder sonst in anderem Weg durch eine Geldbusse gestraft werden.*) Diese Bestimmung redet eine Sprache, die in ihrer Deutlichkeit wohl nichts zu wünschen übrig lässt. Recht häufig begegnet uns in alten Fechtbüchern der „Jude Ott". In einer Gothaer Handschrift vom Jahre 1443 lesen wir schon: „jetz vn hernach so hebt sich an dy mass zu allen Ringen dye stuck dann gemacht hatt ott der ein tauffterjud ist gewesen." In dieser Handschrift wird auch ein Ott die Einführung der unblutigen Ringerkunst oder die Kunst, einem anderen ein Bein unterzuschlagen, zugeschrieben.**) In zahlreichen alten Werken und Handschriften***) über die Fechtkunst wird Ott als „der der herren von Oesterreiche Ringer gewesen ist" aufgeführt; so schliesst z. B. das Namensr'egister der Münchener Handschrift von Paul Kai, das die Gesellschaft Fechtkünstlers Hans Lichtenauers****) aufzählt, mit „Maister ott iud der der herren von Oesterreich Ringer" gewesen ist. Eine Augsburger Handschrift vom Jahre 1556 erwähnt Ott noch als Dichter (Serapeum 1844). Ott hat sich wohl sicherlich nur deshalb taufen lassen, um „der herren von Oesterreich Ringer" werden zu können. Ob Johann Heinrich Ott (geb. 81. Juli 1617), der um 1688 von Manasse ben Israel in rabbinischen Wissenschaften unterrichtet worden ist und später als Lehrer der hebräischen Sprache in Zürich gewirkt hat, einer seiner Nachkommen war, wird wohl angenommen, ist jedoch nicht entschieden. Von einem anderen jüdischen Fechter berichtet Kirchners Wend Unmuth Buch CCCLXVI (nach Serapeum i844) folgendes: Wir lesen davon mehr denn an einem Ort, dass den Juden ganz verhasst und zuwider waren die römischen und die heidnischen *) Massmann, Serapeum, herausgegeben von Naumann, 1844, Seite 60. **) Stolzmann, Serapeum, 1844, Seite 40. **•; Sie befinden sich in München, Wien, Salzburg, Wallerstein im Ries, Heidelberg-, Tambach Bayern, Meiningen, Gotha, Wolfenbüttel. *»•*) Hans Lichtenauer, wohl identisch mit Lebkücher, Lebhomer, war in Lichtenau bei Ansbach (Bayern) geboren.