Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 2 (2.1904)
- Date
- 1904-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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30 No.2 Delitzsch 1836 von der jüdischen Poesie sagte: „Sobald sie den Mittelpunkt des Glaubens, das Bewusstsein der nationalen Unzerstörbarkeit, die Gnadenbevorzugung des Volkes und die Hoffuung der einstigen Glorie verliert, — verliert sie auch ihre Seele." Jüdische Kraft im Mittelalter. Von Dr. Richard Blum und Louis Lamm. In der jüdisch-belletristischen Literatur — von dem „Maasebuch* des 16. Jahrhunderts bis zu dem „Sippurim" der Neuzeit und den Darstellungen von S. Köhn (Gabriel, David Speyer, Die Starken usw.), A. Bernstein (Mendel Gibbor) u. a. in der neuesten Zeit — spielt der „Gibbor" (Der Kräftige) eine grosse Rolle. In mannigfacher Gestalt tritt er uns entgegen. Das Charakteristische an allen diesen jüdischen Helden ist ihre über das Mass des Menschlichen hinausgehende Körperkraft und Energie. Die ausgedehnte Verbreitung und starke Beliebtheit dieser „Heldengeschichten" unter den Juden und besonders unter der jüdischen Jugend legt beredtes Zeugnis von der grossen Sympathie ab, die diesen „Muskeljude.." allgemein entgegengebracht wird; und diese Sympathie ist in der Natur des jüdischen Volkes begründet und darum sehr begreiflich. Wenn wir bedenken, dass die folgenden Beispiele von Körperkraft, aus einer Zeit stammen, wo des Mittelalters Dunkel schwer auf der Judenheit lastete, so werden wir einen Schluss auf die Summe körperlicher Spannkraft ziehen dürfen, die dem jüdischen Volke mit auf den Weg gegeben wurde. Dass es „eher zum Krieger als zum Hausierer geboren" ist, beweist seine Geschichte, wie die moderne Geschichte der Völker, unter denen es lebt. Ich brauche die Freiheitskämpfe einer Maccabi, eines Bar Kochba nicht zu erwähnen; schweigen will ich auch von den jüdischen Helden neuester Zeit, wie sie sich in den Kriegen des vergangenen Jahrhunderts hervorgetan haben. Ein späterer Aufsatz soll die nähere Kenntnis dieser Tatsache übermitteln. Bleiben wir heute beim Mittelalter. Ober Juden, die im frühen Mittelalter zum Kriegsdienste herangezogen wurden, weiss Vujpius*) mancherlei zu erzählen. Wenn auch das dort erwähnte Weissenfelser Judenturnier vom Jahre 1884 — nach anderen soll es 1886 stattgefunden haben — von der neueren Forschung nicht als historisch anerkannt wird, so ist die *) Journal der Vorzeit, Band I, Seite 268.