Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 1 (1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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12 No. 1 Zum Tode Moritz Zettlers. Wenige Tage sind erst ins Land gegangen, dass sich die Erde über einen unserer Grossen im Reiche der edlen Turnkunst geschlossen. Nicht allzufern mehr lag der Tag, an dem Moritz Zettler seinen 70. Geburtstag hätte begehen können. Am 6. Dezember 1835 als Sohn eines Hammerschmiedemeisters geboren, besuchte er erst die Schule seines Geburtsortes, sodann das Seminar zu Friedrichstadt-Dresden. 1857 wurde er als Lehrer nach Chemnitz berufen, wo in ihm der Wunsch reifte, sich hauptsachlich dem Turnunterricht zu widmen. Nachdem er auf der Dresdener Turnlehrerbildungsanstalt von KIoss in die Turnkunst eingeweiht worden war und seinen Studien mit einem sehr guten Turnlehrerexamen den gebührenden Abschluss gegeben hatte, eröffnete er in Chemnitz eine Privatturnanstalt, die er bis 1865 leitete. Er hatte im dortigen Turnverein nacheinander verschiedene Ämter, zuletzt das des 1. Turnwarts (1874—1891) inne und waltete seines Amtes als ' Turnlehrer an der Bürgerschule, Realschule und dem Realgymnasium. 1869 erhielt er durch Ernennung zum Oberturnlehrer und Inspektor des stadtischen Schulturnens eine wohlverdiente Ehrung. Er gehörte ferner seit 1874 dem sächsischen Turnlehrerverein als Vorsitzender und von 1879—1895 dem Ausschuss der deutschen Turnerschaft an. Seit 1863 betätigte er sich literarisch. Eine Reihe kürzerer und längerer Aufsätze, die er zumeist in der Turnzeitung und der Monatsschrift erscheinen Hess, zeichnen sich dadurch aus, dass man ernstes und selbststandiges Denken und das Bestreben, die Turnsache zu fördern, aus jeder Zeile herausliest. Sem eifrigstes Streben war es, den Turnunterricht zu heben und den anderen Unterrichtsgegenständen durch methodische Entwicklung der Übungen und durch Betonung ihres Inneren Zusammenhanges ebenbürtig zu gestalten. Sein turnerisches Glaubensbekenntnis legte er in der „Methodik des Turnunterrichts" nieder. Ferner schrieb er Aber Keulen- und Stabübungen, Uber die Anlage und Einrichtung von Turnhallen und Turnplätzen für Volksschulen sowie über Wesen, Geschichte und Betrieb der Bewegungsspiele. Gerade dieses Buch möchte ich allen denen, die sich für die Bewegungsspiele und die Spielbewegung interessieren, zur Lektüre empfehlen. Zettler war Mitarbeiter am Brockhausschen Konversations-Lexikon und am Eulerschen Handbuch für das gesamte Turnwesen. Auch die Entwickelung der Gerate hat durch Zettler vielfache Förderung erfahren. Seine Rollleitern haben sich fast Uberall eingebürgert, die Klobenfeder am verstellbaren Barren verdanken wir ihm. So hat Moritz Zettler uns ein Erbteil hinterlassen, dass seiner würdig ist und ihm in der Entwicklungsgeschichte des Turnwesens einen dauernden Ehrenplatz sichert. Dr. B.