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Jüdische Turnzeitung · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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No. 1 11 Der fröhliche Wetteifer und das Streben nach schwierigeren Aufgaben bildete bald eine unerschöpfliche Quelle neuer Übungsformen. — „Es ist nicht mehr genau auszumitteln," schreibt Jahn, wer dies und wer das zuerst entdeckt, erfunden, ersonnen, versucht, erprobt und vorgemacht hat." Die „Deutsche Turnkunst" von 1816 bringt bereits 20 Seiten mit Reckobungen. Sie unterscheidet zwei grosse Gruppen: A. die Hangübungen: „wo der Turner sich übt, in alle Arten des Hanges zu kommen, sich darin zu erhalten und zu bewegen", B. die Schwungübungen; „wobei der Turner alle Arten des Schwunges in seine Gewalt zu bekommen sucht.'* — — Im Laufe der Zeiten erfuhren „die Übungen am Reck" in stofflicher und methodischer Beziehung eine solche Vervollkommnung, dass das Reck heute für den Anfänger wie für den Gipfelturner einen überreichen Übungsstoff bietet. — Besonders das Kunstturnen am Reck hat in der neuesten Zeft eine derartige Höhe erreicht, dass eine Steigerung fast nicht mehr möglich erscheint. — Übungen wie die Schwungstemme, die Sturzwelle, der Riesenschwung, der Handstand, deren Ausführung noch vor zirka 20 Jahren dem Turner unbedingt das Prädikat „hervorragend" eintrugen, stehen heute an sich nur sehr gering im Werte. Erst wenn beispielsweise die Schwungstemme vorl. aus dem Stütz rückl. mit Zurückhocken beginnt, die Sturzwelle nur die Verbindung zweier schwierigen Drehungen darstellt und der Riesenschwung ein Vorbote des "freien Überschlags rückw. (Salto) ist, steigen sie einigermaassen im Kurs. Dagegen hat die Erfindung wirklich neuer Übungen merklich nachgelassen. Der gewaltige Übungsschatz, der vorhanden ist, zwingt, sich mit neuen Abarten und Verbindungen bereits bestehender Übungen zu begnügen. So hat das Reckturnen, das die freie Entwickelung aller innewohnenden Kräfte mehr wie jedes andere Gerät zulässt und fördert, die besonders gut beanlagten Turner zu Gipfelleistungen geführt, die ein hervorragendes Maass von Kraft, Geschicklichkeit und vor allem Mut erfordern. — Diese Gipfelleistungen einiger Auserwählten genügten aber, um dem ganzen Gerätturnen den Vorwurf einzutragen, es züchte Zirkuskünstler. Die Nichtigkeit solcher Gefahr liegt auf der Hand: das Gros aller Turner begnügt sich doch am Reck (wie an allen anderen Geräten) mit den einfachsten und sinnfälligsten Bewegungen. Diejenigen, die überhaupt zu den Gipfelübungen emporsteigen, bilden im Hinblick auf diese Schar nur einen verschwindend kleinen Prozentsatz. Diese wenigen Auserlesenen aber werden wieder nur durch die Freude an der Übung selbst und das Streben qacb stetiger Weiterentwickelung, also durch durchaus edle Motive dazu veranlasst. - Alles in Allem! Auch vom Reck darf — frei nach Du Bois- Reymond — behauptet werden: „Wäre das Reck nicht schon da, man müsste es erfinden!? .

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