Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 1 (1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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10 No. 1 erscheinen mit z. B. den freien Sprüngen über einen festen Gegenstand (Bock, Pferd). „Die Hauptaufgabe dieses Turnens (am Reck), das als eine Art Konzentration der Leibesbewegung freilich an die Willenskraft recht hohe Ansprüche stellt," sagt Koch, „liegt vielmehr auf anderem Gebiete. Sichere Ausführung, gute Körperhaltung und schöne Bewegung, worauf es dabei ankommt, erfordern weniger Mut, als jene Sprünge, aber eine sichere Bestimmtheit des Willens, die es zur unbedingten, völligen Herrschaft über den Körper gebracht hat." — „Übrigens", heisst es dann weiter, „kann man wohl im allgemeinen sagen, dass die Übungen am Reck oft gefährlicher aussehen, als sie sind, und dass anscheinend kühne Stücke bei Kunstturnern nur durch langsam fortschreitende Vorübungen erreicht sind und oft kaum mehr als einen passiven Mut erfordern. Es gehört zu vielen Umschwüngen oft weiter nichts als die Kraft „nicht loszulassen", woher es denn kommt, dass manche gute Reck- und Barrenturner sich bei den Sprüngen, die aktiven Mut kosten, zaghaft erweisen." Nur die Übungen, die den Turner zwingen, zeitweise den Griff aufzugeben, lässt Koch als mutbildend gelten. Hierüber schreibt er: „Dagegen sind solche Übungen, bei denen der Turner auf Augenblicke den festen Halt und Vertrauen bietenden Grift am Gerät aufgiebt, um zeitweise in freier Luft zu schweben, wie das Uberschlagen am Barren und das Abspringen am Reck, in hohem Grade geeignet, den Mut zu bilden." Diese Ausführungen Kochs dürften kaum allgemeine Zustimmung finden. Die Praxis lehrt, dass selbst der gewandteste Turner, wenn er z. B. aus irgendeinem Grunde längere Zeit mit em Turnen ausgesetzt hatte, sich nirgends — weder an einem prungnoch an einem Kunstgerät — zaghafter zeigt als am Reck, ein Beweis, dass es am meisten Mut erfordert. Und in der Tat können ja die Folgen des kleinsten Fehlgriffes kaum irgendwo so verhängnisvoll werden, als bei den Schwungübungen am Reck. Nicht die Kraft „nicht loszulassen", sondern gerade der ausserordentliche Mut, häufig in den gefährlichsten Lagen „toszulassen", ist das Ausschlaggebende des modernen Kunstturnens! am Reck. --- Zur Geschichte der „Übungen am Reck" sei erwähnt, dass schon die Jahnschen Turner eine grosse Auswahl besassen. So brachte der Turner August Thaer, wie Jahn berichtet, bereits sechzig Aufschwünge einerlei Art zu stände, deren Anzahl er später sogar auf 132 gesteigert hat. — Der Wellaufschwung mit aufgelegtem Oberarm war eine der ersten Übungen, die am Reck ausgeführt wurden*); ihm folgten bald: Felgaufschwung, Itfühle, Kniewelle, der Durchscbwung, das Nest, der Schwimmhang, der Kreuzaufschwung, der Kniehang an beiden und an einem Knie u. s. w. u. s. w. — *) Siehe Alfred Böttcher: Übungen am Reck, in Eulers Encyclopaedie,