Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/4921092-5965092-5965207--0907-4923785
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 1 9 Riesenschwung und die Welle (welche?) aus. Ebenso berichtet der Bischof Luidbrand von Cremona im Jahre 949 in Konstantinopel ähnliche Kunststücke an einem Seilreck gesehen zu haben. Johann Fischart, der wohl die älteste und merkwürdigste Nachbildung von Francois Rabelais' satirischem Roman „Gargantua und Pantagruel" geliefert hat, lässt seinen Gargantua. sogar bereits an einem Holzreck tarnen. In der Ausgabe vom Jahre 1600 heisst es — nach Wassmannsdorf — auf Seite 179: „Man richtet ihm (dem Gargantua) einen grossen Gabelgalgen auf, zwischen zwen Bäwn (Bäume) gesperret, an demselbigen hieng er sich mit den Händen an, vnd fuhr daran herumb vnd herwider, wie ein anderer mürber Braten herumb, dass er mit den Füssen gar nichts berühret, so stark war er in den Armen". Herr Gargantua scheint sich slso schon eine veritable Riesenwelle geleistet zu haben. Schliesslich ist hier auch noch Guts Muths schräger Querbalken zu erwähnen, aus dem wahrscheinlich Jahn's Reck hervorgegangen ist. Die oben beschriebene erste, sehr primitive Reckeinrichtung auf dem Turnplatze in der Hasenheide bestand nur kurze Zeit. In der Jahn-Eiselenschen „Deutschen Turnkunst" von 1816 wird die Vorrichtung für „alle Übungen, die an dem Turnzeuge, Reck genannt, vorgenommen werden können" bereits so dargestellt: „Turnzeug: »das Reck, eine auf Ständern wagerecht ruhende 2Vt—2V2 Z. starke runde Stange. Der Abstand von einem Stand- ( pfähl zum andern muss über eine Menschenlänge betragen. Der Boden unter dem Reck muss weich sein." Die mannigfaltigen Veränderungen und Wandlungen, die die Konstruktion des Recks von 1816 bis heute im ganzen wie in seinen Teilen durchgemacht hat, auch nur einigermassen eingehend zu beschreiben, verbietet der Raum. Die Stange, die Art ihrer Befestigung sowie die Befestigung der Reckständer waren den wechselvollsten Schicksalen unterworfen. (Interessenten seien auf J. C. Lions „Werkzeichnungen von Turngeräten", 8. Aüfl, 1888, verwiesen.) Hier sei nur soviel erwähnt, dass die Reckstange, anfangs ganz aus Holz (Buche, Kiefer oder Esche) bestehend, später — um die Gefahr eines Bruches zu verringern — mit einem eisernen o,der stählernen Kern versehen wurde und seit er. 1860 hauptsächlich aus Stahl oder Eisen hergestellt wird. —. — Der Üungsreichtum am Reck scheint ein schier unerschöpflicher. Mehr wie jedes andere Gerät lässt es dem Erfindungseifer weitesten Spielraum. Kraft und Ausdauer, Behendigkeit und Geschicklichkeit, Mut und Unerschrockenheit finden hier ein reiches Feld der Betätigung. Ausserordentlich erwähnenswert ist es daher, dass trotzdem einem so feinen Psychologen wie Prof. Konrad Koch*) die Übungen am Reck in Bezug auf Mut nicht gleichwertig *) Prof. Dr. K. Koch: .Die Erziehung zum liste durch Tarnen, Spiel und Sport."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.