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Jüdische Turnzeitung · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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No. 1 5 politischen Traktat Spinozas, wo der grosse und edle Denker, obgleich mit dem Judentum zerfallen, erklärte, er halte es für sehr möglich, dass die Juden ihr ehemaliges Reich wieder errichten werden und Gott sie von neuem erwählen werde. Zur Zeit von Moses Mendelsohn zeigten sich die ersten Vorläufer derjenigen Richtung, welche die bisherigen nationalen An- ' schauungen für veraltet erklärte und ohne Verständnis für die feineren Gefühlsmomente und die treibenden unwägbaren Kräfte im Leben eines Volkes entsprechend der oberflächlichen Beobachtungsweise eines dürren Rationalismus, an den historischen Grundlagen des Judentums rüttelte. Es verdient jedoch hervorgehoben zu werden, dass Mendelsohn selbst, wiewohl sich auch bei ihm leise Anklänge an die moderne Anschauung finden, von dem Vorwurfe freizusprechen ist, den nationalen Charakter des Judentums angetastet zu. haben. Anderseits steht fest, dass sein ehrliches Streben, seine Stammesgenossen an den Segnungen moderner Kultur teilnehmen zu lassen, eine von ihm nicht gewünschte Richtung geschaffen hat, dieneben seinem Programm den gleichzeitigen Abfall vom überlieferten Judentum propagierte. Ähnliches gilt von dem portugiesischen Juden Isaak Pinto, der in einer Streitschrift gegen Voltaire von der Verleumdung einer ganzen Nation spricht, aber schon einen kleinen assimilatorischen Pferdefuss sehen liess, indem er die deutschen und polnischen Juden preisgab und nur die sephardischen Juden zu rechtfertigen suchte. Man wird dabei an die Quo vadis-Feindschaft gegen die russischen Juden erinnert. Den Vertretern des Alten und Überkommenen, Ezechiel Landau zu Prag, Raphael Kohen zu Hamburg, Hirsch Janow zu Posen und Pinchas Levi Hurwitz zu Frankfurt a. M. muss man trotz aller Bildungsfeindlichkeit einen prophetischen Scharfblick zugestehen, wenn sie die Mendelsohnschen Bestrebungen als den Beginn einer Zerbrockelung des Judentums bekämpften. Ihr Misstrauen wurde durch die folgenden Ereignisse vollkommen gerechtfertigt. Zwar schuf der um Wessely sich sammelnde Kreis der Measfim eine Blüteepoche neuhebräischer Poesie, aber bald kehrten die Anhänger der neuen Richtung die Waffen, die sie aus dem Arsenal modemer Bildung geholt, gegen eine Oberlieferung, deren Ewigkeitsgedanken und deren guten Kern sie nicht zu erfassen vermochten. Geblendet und überflutet von dem Lichtmeer deutscher Philosophie und Dichtung, mussten sie, noch halb die Kinder des Ghetto, einem Geiste seichter Aufklärung anheimfallen, der ihnen das Judentum als

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