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Jüdische Turnzeitung · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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4 No.l opferfreudigen Lebens gebildet hat. Wir wollen ihnen an einigen historischen Tatsachen zeigen, wie die langjährige Wühl- und Zer* Setzungsarbeit assimilationswütiger Generationen das wahre Wesen des Judentums entstellt und verfälscht und schliesslich durch seine Konfessionalisierung und die Verwandlung der jüdischen Nation in eine Religionsgemeinschaft ein mit dem Geist des Judentums unverträgliches Wahngebilde geschaffen hat. Vorher weise ich noch mit Entschiedenheit den Vorwurf zurück, dass unser nationaler Standpunkt eine Geringschätzung oder gär Negierung der sittlichen und religiösen Ideen des Judentums bedeute. Gerade der wahrhaft Jüdisch-Religiöse muss in der Ausmerzung alles Nationalen und der Angleichung des Judentums an die christliche Religionsgemeinschaft eine Verwässerung und Herabzerrung des Judentums erblicken. Wenn wir die Bedeutung des nationalen Prinzips im Judentum einer historischen Betrachtung unterziehen, so können wir im wesentlichen Altertum und Mittelalter ausschalten. Der Hinweis auf die nationale Gestalt des Judentums bis zum Untergang des jüdischen Reiches bedeutet eine Tautologie. Wenn ein Stamm, der mehrere Epochen nationaler Blüte erlebt, seine nationale Kultur und Religion in siegreichen Kämpfen nach aussen und innen gewahrt hat und. schliesslich in heldenmütigem Ringen mit einer Weltmacht unterlegen ist, nicht das Prädikat „national" erhalten soll, dann haben Worte überhaupt keine Bedeutung mehr. Auch im gesamten Mittelalter und im ersten Teil der Neuzeit hat sich keine dem modernen Assimilantentum analoge Strömung im Judentum gezeigt, und niemand dachte daran, den wesentlichsten Bestandteil des Judentums zu negieren, die sittlichen und religiösen Anschauungen des jüdischen Volkes von ihrer nationalen Grundlage loszulösen und an die Stelle lebendigen Volkstums, wie . es das Judentum darstellt, einen abstrakten religiösen Begriff zu setzen. Alle leidenschaftlichen Regungen der jüdischen Volksseele, die Sehnsucht nach dem Lande der Väter, der Stätte einer grossen Vergangenheit, die Hoffnung auf ein Wieneraufleben nationaler Herrlichkeit in der Zukunft, kommen in den herzergreifenden Zionsgesängen des Dichters Johuda Halevi und in den meisten Festen und Gebeten der Juden zum Ausdruck. An dem nationalan Standpunkt halten auch die religionsphilosophischen Systeme des Mittelalters fest, und welche Geltung diesem Standpunkte selbst im Beginn der Neuzeit zukam, das lehrt z. B. ein Ausspruch im theologisch-

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