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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1921-01-01 · 1-4 (1921) · p. Seite 10

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
22 (1921)
Issue
1-4 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 hoch, daß der Jude dem wehrhaften Bedawi heute oft schon gleichwertiger dünkt als der Fellache. Man darf aus dem Gesagten aber keineswegs entnehmen, daß der Kampfzustand ein ständiger ist. Es ist, im Gegenteil, das Verhältnis zwischen den beiden Völkern im.großen und ganzen ein weit besseres, als in allen europäischen Staaten das Verhalten sowohl der einzelnen Völker zueinander ist, als auch ihr Verhältnis zum Juden. Die Ueberfälle von Stämmen auf Kolonien entspringen dem Selbsterhaltungstrieb des Beduinen, sie sind Grenzstreitigkeiten oder persönliche Auseinandersetzungen in den Zeiten, da er hungert, sie sind ehrliche Kämpfe (Raubrittertum! D. Red.), werden mit der Waffe abgewehrt, haben aber keineswegs irgendwelche Judenfeindschaft des Arabers zum Hintergrund. Sie geben auch nicht — das nur nebenbei bemerkt — die Berechtigung, dem Beduinen, wie es gerne Leute tun, die kaum das Land gesehen haben, als blutdürstigen Räuber, die Existenzberechtigung abzusprechen. Ich kann nicht umhin einzugestehen, daß ich dieses, übrigens eines der rassenreinsten Völker der Erde, weitaus höher werte als viele Menschengruppen Europas, die, wohl in sozusagen zivilisierter Form, rauben, mehr und weitaus brutaler und berechtigungsloser rauben als diese Menschen, die, dem Zweckdasein entrückt, frei leben, ungebunden und' natürlich, die dem Menschlichen weit näher sind als jene europäischen Kommerzbanditen, deren Ueberfälle wohl nicht so gefährlich, dagegjen aber weit erträgnisreicher sind. Das Verhältnis zwischen den beiden Völkern sowohl in der Stadt als auch draußen im Lande, ist ein durchaus gutes. Das Verhalten der christlichen Araber hingegen, jener Araber, die außer einer inhaltslosen Frömmigkeit mit Europa durch einen europäischen Anstrich verbunden sind, ist kein gutes, es herrscht unter ihnen viel Haß gegen die Juden, der wahrscheinlich seinen Ursprung in Europa haben dürfte. Wenn die palästinensischen Juden dem großen Satze „Durch Gerechtigkeit wird Zion befreit werden" ehrlich, aus einem Ethos heraus folgen, das im Judentum der Propheten fußt, wird das Zusammenleben der beiden Völker ein erfreuliches bleiben. Dieses Ethos muß natürlich erst neu wieder geschaffen werden, doch bis dahin kann auch eine kluge Politik, die sich der Mission des Judentums bewußt ist, vieles erreichen. Dem Araber muß handgreiflich bewiesen werden, daß der Jude nicht nur sein nächster Stammesbruder ist, sondern auch sein Freund, der, weiterentwickelt als er, Vertrauein ibt gegen Vertrauen im gemeinsamen Kampfe gegen das Schlechte, das ins and importiert werden will. Neben den Kolonien sind naturgemäß die wichtigsten Institutionen der Juden ihre Schulen. Heute schon kann ein hebräisches Kind alle Schulen vom Kindergarten bis zur Technik im Lande besuchen und kann alles, was ihm nötig ist, in seiner Muttersprache lernen. Hier, in dieser Möglichkeit liegt der schlagendste Beweis dafür, daß die hebräische Sprache keineswegs eine tote ist, sondern vielmehr lebendig und lebensfähig. Biegsam genug, um so außerhalb des täglichen Lebens stehende Begriffe, wie pythagoräischer Lehrsatz und Hebelgesetz erklären zu können. Einer Sprache, in der Shakespeare aufgeführt wird, darf man füglich nicht das Leben absprechen. Es machte auf mich einen tief ergreifenden Eindruck, als ich am Tage meiner Ankunft in Jerusalem von einem Dache herunter einen Chor hebräischer Wächter- und Volkslieder hörte. Das ist Volksgesang und ein solcher bedarf einer Volkssprache. Abgesehen davon, daß das Hebräische niemals „tote Sprache war — sprachen es d och Stämme des Volkes, so die Yemeniten, "h gewissen Umgange immer —, ist die Annahm|e, daß diese Sprache heute nicht mehr lebensfähig sei, durch die oben angeführten Fakten schon widerlegt und bedarf nicht des Vorbringens weiterer Belege, wie z. B. der Existenz hebräischer Zeitungen usw. Das tägliche Leben des jüdischen Bürgers Palästinas spricht das Schlußwort in dieser Diskussion, die ich vollends zu beenden glaube mit dem Hinweise, daß das sephardische Hebräisch, wie es im heiligen Lande gesprochen wird, so lebend ist, daß selbst Nichtjuden im Umkreise der Kolonien sich seiner bedienen.

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