Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 12 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Und ,um all das schlingt sich das einheitliche Band der Freude am Geschehen, der Freude an der Aktivität. Dies ist etwas Neuartiges für die Judenheit, aber nicht wesensfremd dem Judentum; denn nicht Formen suchen wir, sondern Kräfte. Die Kräfte des Judentums werden aus unserem Leben neue Formen schaffen. Wir haben den Glauben, daß aus der großen Erschütterung, die unser Geschlecht des Ueberganges ergriffen hat, die Erneuerung des Judentums vor sich gehen wird. Der Turntag. Dr. Arthur Stein, Ruder-V. J. St. Berlin. Auf die in der Turnzeitung erschienenen Aeußerungen'über den Turntag möchte ich in einigen Punkten eingehen: Die von dem zurücktretenden Vorstand an den Erfolgen seines Arbeitsjahres geübte Kritik war maßlos übertrieben. In Wirklichkeit hatte man die Turnerschaft ein gutes Stück von der Wirrnis des Krieges fortgeführt- - Ein Blick in die Turnzeitung konnte davon (iberzeugen. Die Tatsache, daß wir nicht weiter kamen, lag neben Mängeln im Vorstand, die ich keineswegs verkenne, in der Tat daran, daß hinter dem Vorstand nichts oder so gut wie nichts stand. Sogar nach ' D a n z i g e r . (vgl. seinen Artikel in der September- Sondernummer) „ist die Erkenntnis allgemein, daß alles auf den Betrieb in den Vereinen ankommt"; auch er ist, wie ich (in meinem Artikel dem Turntag) der Ansicht, daß ein Aufbau nur organisch „von den Gliedern aus" erfolgen kann. Warum aber „aus allem folgt", daß der Vorstand nunmehr zu einer Verwaltungsstelle heruntergedrückt werden muß, wie Danziger will, ist mir nicht klar. Der Vorstand hat durchaus die Aufgabe, geistig zu führen; es ist eine Verzerrung, wenn Danziger glaubt, daß ein Vorstand, abgesehen von seiner Verwaltungstätigkeit, auf die Austeilung von. Qualifikationen und auf Moralpredigten angewiesen sei. Allerdings muß die Turnerschaft erst vorhanden sein, wenn man sie führen will, aber eine geistige Existenz besitzt die Turnerschaft zurzeit käum. Ich bezweifle nicht, dafT der Studentenverband oder Fußballverband N. N. genau so gut geleitet wird, wenn die Cimbria in Nürnberg' oder sonst wer statt der Teutonia in Berlin den Vorstand bildet. Ist Danziger wirklich so blind, daß er diese Verhältnisse ohne weiteres auf uns anwenden will? Ich sehe ab von den technischen, organisatorischen und Personal-Fragen, die allein ausschlaggebend für Berlin als ständigen Ort der Leitung sprechen. Aber es ist wirklich nicht, ganz unerheblich, daß wir eine jüdische Bewegung sein wollen und daß einerseits in Berlin die kompakte Masse der deutschen Juden sitzt, andererseits in Berlin alle nationaljüdischen Organisationen zentralisiert sind. Ich stelle es mir wunderschön vor, wenn die Turnerschaft in Hamburg, das K. J. V. in Frankfurt* der Blau-Weiß in Breslau, der Herzl-Klub in Halberstadt usw. geleitet wird. Alle Jahre wird dann „Verwechsel*, verwechsel' das Bäumlein" gespielt. Viel Vergnügen! Die „Provinz" macht sich allmählich lächerlich m|t ihrer Angst vor der eingebildeten Berliner Knute. Man scheint zu glauben, daß die Berliner auf all diese Arbeiten wild sind und sie nicht loslassen wollen. Das dürfte auf einem gewaltigen Irrtum beruhen. Leo Kaminski hat in seinem Bericht versucht, die Gegensätze des Turntages auf kurze Formeln zu bringen. So etwas ist immer gefährlich, weil es zu Ungenauigkeiten verleitet. Ich muß jedenfalls ablehnen, wenn als meine Ansicht hingestellt wird, daß ich „das Hauptgewicht auf den einzuschlagenden Weg" lege — im Gegenteil 1 — oder daß ich „die Ziele der jüdischlen Turnerschaft ausschließlich durch intensive Erziehung der heranwachsenden Jugend verwirklichen" will. Das Wörtchen ^ausschließlich" macht die Musik,, sie ist nicht von mir, auch nach dem Artikel von Bileski bestimmt nicht von ihm; also vielleicht von der Nervosität des andern Teils? Es war nur die Rede davon, daß in allen Fällen, in denen mehrere