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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 12 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
12 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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23 Gemeinschaft; das sind Forderungen, welche der jüdischen Psyche und Physis wohl einst als Staatsvolk eigen gewesen, aber in der Qaluth abhanden jgekommen sind. Das Wesen des Sportes liegt in der Leistung des Individuums^ im Rekord um jeden Preis. Die große Krankheit der Qaluth ist der hyperfrophe Individualismus welcher jeden Versuch der Einheit der Galuthgemeinschaft vereitelte. - Das Volk geht seiner Genesung entgegen, weil es die Gemeinschaft gesucht und gefunden hat. Das waren Gegensätze, Gegensätze, welche aber überbrückbar sind von dem Gesichtspunkte aus, das es kein Justament werden darf, „hier Turnen, dort Sport", und der Entwicklung des "Volkes dürfen und können wir nicht vorgreifen, denn diese wird die körperliche Jugenderziehung der Zukunft entscheiden. III. Es darf nicht unsere Aufgabe sein, politische Wege zu betreten. Wir sind eine Bewegung., der jüdischen Jugend, welche die Erneuerung und die Erhöhung des Judentums durch hohes Menschentum will. Es steht uns also nicht an, sich mit Angelegenheiten zu befassen, welche politische Parteien zu entscheiden haben. Unsere Anhänger (welcher politischen Partei sie auch angehören mögen und die sich zu irgendeiner politischen Anschauung durchgerungen haben, welche ihrem Charakter und ihrer sozialen Stellung entspricht, die aber übereinstimmend sein muß mit der Weltanschauung, die uns allen gleich eigen ist), finden bei uns ein Milieu allgemein jüdischer und intensivierter jüdischer Betätigung, die mit den Kundgebungen ihrer politischen Ueberzeugung schlechthin nichts gemein hat; denn diese gehören vor ein ganz anderes Forum. Wir stehen außerhalb der politischen Parteien. Wir wollen über den Parteien stehen und dies nicht aus Gründen des Opportinismus, des Kompromisses oder der Bequemlichkeit, sondern aus folgenden Gründen: wir berufen uns auf die alte Erkenntnis, daß die Jugend nicht in den Wirbel politischer Ideenkämpfe hineingerissen werden darf; denn diese Kämpfe fordern reife Menschen mit umfassendem' Wissen und vollkommener Bildung, die sich zu einer unabhängigen politischen Ueberzeugung durchringen konnten. Und das kann die Tugend nicht I Sie will nur Freiheit für ihre Entwicklung, deren Grundlagen Jugendlichkeit und Judentum sind. Mißbrauchen wir nicht die heilige Begeisterung deren nur die Jugend fähig sein kann! Zwei Mittel gibt es, die jedem Kulturvolke für eine solche Entwicklung zur Verfügung stehen: die Schule und die Familie, und damit gelangen wir auf das Gebiet der wichtigsten aller jüdischen Fragen, zum Problem der jüdischen Frau. IV. Im Rahmen der Besprechung eines Arbeitsprogrammes der jüdischen Turnerschaft darf der Einfluß der rrau nicht unerwähnt bleiben. Es ist von höchster Bedeutung; ob das jüdische Werden auch die jüdisch« Frau ergreifen wird. Nicht nur deshalb, weil die Frau die Macht über die kleinen Bezirke menschlichen Lebens hat, wo sich die persönlichsten Schiksale des menschlichen Lebens abspielen, nicht nur darum weil wir ihrer Fähigkeit, das Haus zu einer kleinen Welt machen zu können, bedürfen, sondern auch darum, weil der Schwerpunkt unseres Lebens überhaupt die Familie - und das Haus ist und bleiben wird. Die allgemeinen und besonderen Aufgaben der jüdischen Frau in der Turnerschaft sind so unermeßlich, so daß sie im Rahmen dieser Abhandlung nicht besprochen werden können. V. Hand in Hand mit der inneren Arbeit muß die rein technische Arbelt der körperlichen Ertüchtigung Schritt halten. E» mangelt unserer turnerischen Systematik und Einheitlichkeit an Methodik, Zweckmäßigkeit und Arbeit. Es fehlt uns die Grundlage zu jeder körperlichen Arbeit: der Lehrer und das Lehrsystem, Ohne diese Grundlagen werden wir auch auf diesem Gebiete erfolglos bleiben, denn wir haben doch unseren Jugendabteilungen die Möglichkeit genommen, eine höhere Ausbildung anderweit zu erlangen. Im großen Geschehen und Werden der Gegenwart, vor deren Größe wir erschauernd stehen, erscheint unsere Arbeit mikroskopisch klein, kaum daß man was sehen kann; aber es ist da, es lebt und mit der Zeit macht es sich fühlbar und erkennbar. Von überall, wo junges Judentum am Werke ist, tönt fröhliche Kunde von mannbar entschlossener Arbeit.

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