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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 12 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
12 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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22 II. Tb. Dr. Danziger, Hamburg, Ifoat am Tunitag ein. Thema angeschnitten, welches seiiier Aktualität wegen hätte in den Vordergrund rücken sollen. Es ist dies die Gefahr der Dissoziation der Sportinteressen. Wenn ich nun hierzu Stellung nehme, so dienen mir zur Richtschnur die hiesigen Verhältnisse ,die wohl nicht grundverschieden sein dürften von jenen des deutschen Kreises. Ich bin weit entfernt davon, mich bei der Besprechung dieses wichtigen Problems auf einen einseitigen egoistischen Standpunkt einzustellen, sondern bin vielmehr der Ansicht, daß die weitere Entwicklung unseres. Volkes, insbesondere des Jischubs zeigen wird, welcher Zweig der körperlichen Betätigung dem Charakter des Volkes entspricht und sich diesem anpassen wird, welchem dann das Wesen des Volkes seinen charakteristischen Stempel aufdrücken wird. Zunächst eine genaue Begriffsumgrenzung: Die Leichtathletik oder das volkstümliche Turnen, wie wir es nennen, gehört in fcinser Programm. Auch die Wanderungen bilden einen integrierenden Bestandteil unserer Arbeit, so daß von dieser Seite nur wertvolle Anregungen aber durchaus keine Gefahren zu gewärtigen ist. Bleiben nur die Ballspiele, und von diesen der Fußball. Die Fußballvereine haben, das muß zugestanden werden, viel breitere Propagandarnöglichkeiten. Das liegt in der Möglichkeit ihrer Augenblickserfolge, in der Wesenha,ftigkeit dieser Sportart: durch persönlichen Mut, Entschluß und Geistesgegenwart der Spieler für die Farben des Vereines und damit im übertragenen Sinne für die Gemeinschaft Erfolge zu erringen. Es gibt eine ganze Reihe von Menschen, welche diese Art von Arbeit als eine positive Volksarbeit ansehen. Es kann nicht unerwähnt bleiben, daß bei einer guten Mannschaft das Gefühl der Gemeinschaft und der Disziplin für den Erfolg ausschlaggebend ist. Aber diese rein äußere Propaganda ohne die Beeinflussung der Mitgliedschaft durch Erziehungsarbeit birgt eine große Gefahr für die Jugendbewegung in sich und zwar das Moment der Halbheit, der nationalen Gleichgültigkeit und Flauheit, der Bedingtheit und des Kompromisses. Bei den Ausartungen, welche dieser Sport und seine Anhänger sozusagen fördern, wie es z. B. die Olympiade in Antwerpen und fast die meisten internationalen- Matchs zeitigten, müßte die Frage: worin die volkserzieherischen und volksy gesundheitlichen Momente dieser körperlichen Betätigung lägen, Bedenkeft aufsteigen lassen. Ein bedenkliches Moment ist auch das sogenannte Fluktuieren der Fußballer, Welches sich zu einer Spezialität dieser Atmosphäre ausgebildet hat und das zu den traurigsten Auswüchsen derselben — zum Professionalismus — führt. Und bei genauester Betrachtung wird es klar: Berufsmenschen werden mehr oder minder in jedem Vereine gezüchtet, es entspricht dies eben dem Charakter dieser Sportart. Wenn man sich auch durch ähnliche Auswüchse mehr.oder minder Bedenken über die moralischen Qualitäten dieses Sportes zu hegen verleiten läßt, sovdürfen wir nicht generalisieren, sondern haben das Problem so zu erfassen: daß es nicht genügt, die J'igend durch turnerischeu nd durch spörtliche Reize zu locken, daß man trachten müsse, auch diesen lockeren Rahmen mit jüdischem Inhalte zu erfüllen und z. B. diesem Teile der jüdischen Jugend und er ist nicht der schlechtere, etwas von dem Verantwortungsgefühle einzuprägen, welches eine nationale Jugend besitzen muß. Denn national sein, heißt nicht nur in dem oder jenem Vereine Mitgliedsbeiträge zahlen, Vereinsabzeichen tragen und dabei in jener Lebensweise zu verharren wie sie HerzI in seinem Mauschl schildert: national sein muß etwa jene Verantwortung für das Volk bedeuten, daß z. B. die ganze Lebensführung eines Juden im gewissen Sinne eine Angelegenheit von nationaler Bedeutung ist.10) Und dieses Verantwortungsgefühl Der große erzieherische Wert des Turnens für die jüdische Jugend speziell liegt unter anderem in der wesenhaften Forderung desselben nach zeitlicher, freiwilliger Unterordnung des persönlichen Willens unter den Willen einer freiwillig gewählten Persönlichkeit, in der Einordnung des Individuums »n die 10> Der Jude 1916. Robert Weltsch. Feldpostbriefe, ist es, das uns den Fußballvereinen immer wieder nähert, wenn sich auch diese immer wieder von uns entfernen.

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