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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 12 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
12 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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20 unter denen wir jeder Einzelne als Individuum und daher das ganze Volk zu leiden haben. Wir müssen uns bemühen, die Umkehrung zu erzielen und dur.ch bessere Erziehungsmethoden eine neue, bessere Gesellschaftsordnung zu schaffen. Hier berühren wir ein trauriges Kapitel: Berufswahl und Berufsumschichtung. Es ist dies ein schwerer Band jüdischer Leidensgeschichte von entscheidender Bedeutung für jüdisches Leben und jüdisches Land! Und ich glaube verstanden zu werden, wenn ich behaupte, daß die bestehende Krise des neuen Jischub zurückzuführen ist auf die national-ökonomisch und sozialpolitisch unmögliche Berufsschichtung der Judenheit überhaupt, in der Oaluth sowohl, als auch in Palästina. Das wären die Grundprobleme unserer Erziehungsarbeit und es wurde vermißt, daß bei der Berliner Tagung solche grundlegenden Lebensprobleme des Volkes nicht berührt wurden. Wenn auf der Berliner Tagung *e Münchener Thesen, die im Grunde genommen bereits 1903 in Basel als überwunden schienen, wiederum in den Vordergrund traten, wenn E. Simon I anführen mußte: Turnen und Sport sind nicht Selbstzweck sondern Mittel zum Zweck, wir müssen intolerant sein, wir sind eine Jugendbewegung, so sind das Beweise für das Krisenhafte unseres Wesens und dafür, daß sich bis nun in unserer Gemeinschaft für die Lösung dieser Probleme nichts erübrigte. Das prinzipielle Bekenntnis des deutschen Turntages, daß die Jugenderziehung die Hauptaufgabe der jüdischen Turnerschaft sei, ist keine Neuheiten und uie Durchführung der Resolution 46 a—e ohne Berücksichtigung oben angeführter Probleme bleibt bestenfalls illusorisch oder eine Halbheit — beim besten Willen ihrer Vertretet. Daß die Hebraisierung der Gemeinschaft des ABC dieser Probleme ist, ist selbstverständlich« Die Verlebendi-. gung des Hebräischen ist uns ein Symbol für den Sinn unseres ganzen Kampfes mit dem Volke und um das Volk.6) Die Hebraisierung der Jugend ist (die Revolutionierung der Oaluth. Sie wird und nur sie wird jenen Menschen schaffen, der eine Vorstufe, ein Uebergang ist zu den Wirklichkeiten' neuen jüdischen Lebens. Ebenso klar ist es, daß nicht nur die Quantität unserer Anhänger, sondern vor allem ihre Qualität bei der Beurteilung ihres Wertes in die Wagschale fällt, und zwar einer Qualität, die was geistige, moralische und körperliche Wertung betrifft, voll erschöpfend sein muß. Eine Idee, und die jüdische Turnbewegung war, ist und bliibt eine Idee, wirkt weniger durch die Zahl ihrer Anhänger als durch den Geist, der ihr innewohnt, der zu Taten anspornt und sie belebt, der emporgezauberte neue Kräfte mit wetteiferndem Streben erfüllt und durch Begeisterung Begeisterung weckt. Wenn wir eine Jugend, eine Volksbewegung sind, so darf man nicht von „Mitläufern" sprechen, nicht von „über Bord werfen"7), denn jeder hat das Recht der Bewegung anzugehören, mitzumachen! Und wenn es Mitläufer gibt, so ist dies weniger der individuelle Fehler des so Benannten, sondern vielmehr der Fehler des Führers und der Gemeinschaft schlechthin. Der Gemeinschaft erfließt daraus die Verpflichtung dieser seiner individuellen Veranlagung nach auf jenen Posten zu stellen und jene Verrichtung Kibeii zu lassen, welche ihm entspricht. Nicht jeder ist befähigt über Wyneken, Bernfeld, Buber .... zu debattieren — aber auch nicht jeder versteht es, gleiche Freundschaft zu üben und z. B. technische Verrichtungen durchzuführen, die doch auch zum Leben dieser Gemeinschaft gehören. Begehen wir nicht den Fehler," welcher so oft dem Blau-Weiß entgegengehalten wurde und wird, als Vorwurf der ausschließenden und sich separierenden Gemeinschaft. Jeder sei uns. willkommen, der zu uns - kommt, wenn er nur den guteji Willen mitbringt, sich einer freiwilligen, aber disziplinierten und strengen Arbeit im Volke und für das Volk zu unterwerfen! Die Jugend muß so erzogen werden, daß es eben keine Mitläufer schlechthin, keinen Ballast mehr gibt. Darin besteht ehen die Arbeit der Führer, der Vorturner, welche «) Bar Kochba Sammelbuch: Vom Judentum. Kurt Wolf, Verlag. *) Ernst Simon: Jugendbewegung oder was sonst. Nr. 9 Sondemummfer.

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