Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 12 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Gordon nennt, oder ein neues Leben wollen!*) Diese Am chadasch ist die Forderung der neuen Zeit, der Verwirklichung des Judentums. Nicht die Reorganisation zur ausschließlichen Jugendbewegung, wie sie E. Simon I am Turntag in dem Streben, einen Weg zu weisen, forderte, wird Wandel schaffen» auch nicht die Hegemonie der Blau-Weiß-Idee, welche niemals in der jüdischen Turnerschaft, die eine Massenbewegung ist, sich wird durchsetzen können, auch nicht die Oleichstellung zu dieser wie sie C. Z. Klötzel wünscht, der Unrecht tut, wenn er uns Homogenität verspricht, denn diese ist g. s. d. vorhanden, sondern die einfachste, klarste und eindeutige Stellungnahme zu den Problemen des heutigen Judentums kann uns und unsere Jugend aus der uferlosen hypertrophen Problematik des Oaluthseins hinaufführen zu den Wirklichkeiten eines neuen Lebens. Denn die Jugend fordert Klarheit, Unbedingtheit, Einheitlichkeit des Ideals und vor allem Aktivität, Bewegung und Entwicklung; denn sie kann sich noch entwickeln, weil sie noch frei und unberührt ist von den materiellen Forderungen des Lebens und weil ihre Brust Judentum und Jugendlichkeit als unbewußtes höchstes Out erfüllt Es kriselt! Nicht nur in der Turnerschaft, sondern in der ganzen Qaluthjudenheit. Es schäumt und brodelt in der chemischen Lösung, bevor der große Kristallisationsprozeß — das große Chomezbattlen — einsetzt. Die jüdische Jugendbewegung befindet sich in einem Zustande, den verschiedene Autoren als — Niedergang bezeichnet haben, und dies zu* einer Zeit, wo scheinbar das Ideal eines Volkes seine Verwirklichung gefunden — oder gerade deshalb! Mit San Remo errang das Volk sein Land, ein Land ohne Volk. Der Blau-Weiß gemeinsam mit der jüdischen Turnerschaft haben jahrelang den Kampf gegen die übermäßige Geistigkeit unserer Erziehung geführt; ohne daß es beiden gelungen wäre, etwas Aequivalentes aufzustellen oder etwas Neues zu bieten. In diese chaotischen Zustände der jüdischen Jugendbewegung brachen die welterschütternden Ereignisse von heute mit der ganzen Wucht und Flut von Schlagworten und Oberflächlichkeiten ein und landen einen fruchtbaren Boden. wir dürfen uns heute vor der Tatsache nicht verschließen, daß wir die Jugend nicht haben und müssen die Wahrheit vertragen, daß wir es mitverschuldet haben.' Die Jugend fordert den unbedingten Glauben, die Oesinnung der Unbedingtheit! Ihre Forderung ist: Am chadasch» ein anderes Leben wollen! Dieses Streben weist eindeutig den Weg nach Erez Israel, der über die innere Emanzipation, über die Reini-?;ung des Herzens geht; denn vor jeder äußeren Emanzipation muß die Bereiung von der inneren Oaluth, von der inneren Knechtschaft erfolgen.8) Die Judentumsfrage erscheint hier wesentlicher als die Frage der Judenheit>) Dieses Streben nach dem anderen, nach dem neuen Leben ist die sittliche Bewegung derer, die es mit ihrem Judentum und ihrem Menschentum ernst nehmen. Das Problem läßt sich zunächst so formulieren: wie ist möglich es, höchster Idealist zu sein und so zu leben, wie wir und die heutige Jugend, die hierzu erzogen wird — als geistige Berufsmenschen leben müssen? Zur möglichst kompromißlosen Vereinigung dieser Gegensätze sieht Dr. Oskar Epstein6) einen Ausweg in der Schaffung einer Solidarität, einer Hilfsbereitschaft. Die Hilfsbereitschaft im Volke muß vor allem die Grundlage für das neue Erwachen des Volkes sein. Um jede irrtümliche Auslegung dieser Solidarität zu vermeiden, kommt es bei jeder Hilfe, wie Dr. Martin Buber einst im Prager Freundeskreise sagte, vor allem auf das W i e und weniger auf das W a s an. Weiter stellt sich das Problem so: Die alte Gesellschaftsordnung des Ghetto und der Galuth haben unsere jetzigen Erziehungsmethoden geschaffen. ») Hapoel-Hazair, Weltkongreß 1920 Prag. ») Achad haam: Am Scheidewege. *) Dr. Martin Buber: 3 Reden. s) Bericht der Tagung der Altmitglieder des Vereines Bar Kochba Prag. 1 2