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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 12 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
12 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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18 nehmen an dem krisenhaften Zustand, der die Judenheit und die Menschheil durchbebt. Auch die Unzufriedenheit, die sich zuweilen in unseren Reihe« äussert, ist ein deutliches Zeichen, daß wir vorwärts schreiten in unserer Entwicklung und nicht stagnieren. Die Turn- und auch teilweise die Sportbewegung hat bei den lebenden Völkern und insbesondere bei den kleinen Nationen eine solche Entwicklung genommen, daß sie als ein Maßstab nationaler Kultur angesehen wird. Und diese Bedeutung hat sie nur dort erreicht, wo sich zu dem Streben nach körperlicher Ertüchtigung und Disziplinierung die Aufklärungs- und geistig-moralische Erziehungsarbeit gesellte. Das soll heißen: Nationale Jugenderziehung! Die große Frage, ob die jüdische Turnerschaft eine Jugend- oder eine Volksbewegung sei, ist nicht so wesentlich. Sie ist beides, denn ist sie das eine, ist sie gleichzeitig das andere. Und wenn sie bis heute sich. noch nicht durchgesetzt hat, wie es ihr kraft ihres wahren Inhaltes härte zukommen sollen, so ist das ein Beweis dafür, daß sie bis heute weder das eine noch •das andere ist. Wir wollen eine Bewegung der jüdischen Jugend sein und stehen daher vor der großen Aufgabe Jugendarbeit zu leisten1). Wir können jenes erzieherische Prinzip einführen, das sich in der Jugendbewegung aller lebenden Völker bewährt hat: das Prinzip der kleinen Selbsterziefaungs-Gemeinschaft unter dem freigewählten Führer. Verschwiegen soll nicht werden, daß es gewisse Bedenken bei Anwendung dieses Prinzipes gibt; begründet in den außerordentlichen Verhältnissen der Qaluth, im Volkscharakter und vielen anderen nicht so leicht zu überwindenden Umständen. Es ist dies ein Prinzip, das auch der Blau-Weiß übernommen hat oder vielmehr anzuwenden sich bemühte. Der Blau-Weiß ist eine Bewegung, die ihres eigenartigen Charakters wegen sich niemals etwa als eine das glänze Volk umfassende Jugendbewegung durchsetzen wird, auch aus Gründen, die später angeführt werden. Es kann und soll nicht verschwiegen werden, daß der Blau-Weiß in seinem kleinen und bedingten Kreise Hervorragendes geleistet hat, obgleich die Träger dieser bewußten Blau-Weiß-Atmosphäre sich über die Ziele und Aufgaben ihrer Oemeinschaft so ziemlich im Unklaren sind, so daß der Berliner Blau-Weiß grundverschieden ist von dem Teplitzer und dieser wiederum grundverschieden ist von dem Blau-Weiß in Prag. Es ist daher unklar zu behaupten: der Blau-Weiß sei geworden. Ich glaube, der Blau-Weiß ist im Werden, in Entwicklung begriffen — wie die Turnerschaft. Da ergeben sich ganz bestimmte Berührungspunkte und es heißt nun diese Berührungspunkte für eine' nützliche Arbeit zu verwerten. Der Krieg hat die jüdische Turnerschaft in ihrer besten Entwicklungsperiode erreicht und sie um ein ganzes Jahrzehnt in ihrer Entwicklung zurückgeworfen. Und ist es nicht ein erfreuliches Zeichen unserer gesunden Entwicklung, daß überall: ob in Deutschland oder Jugoslavien, in Bessarabien oder in der Czechoslovakei die Jugendarbeit an erster Stelle des Arbeitsprogramms steht! Und es ist sicherlich die schwerste und wichtigste Aufgabe, welch« die jüdische Turnerschaft izu erfüllen hat. Diese Arbeit fordert Menschen, ganae Menschen, nicht „Vereinsbonzen auf Kowedstellen", denen die Arbeit im Makabi eine Arbeit ist, die — so nebenbei bei einem Glas Bier oder bei einer Tasse schwarzen Kaffee — „auch" noch verrichtet werden kann. Diese Arbett fordert Wahrheit und Ehrlichkeit und duldet keine HalbBeit und sie fordert den ganzen Menschen mit seiner ganzen wahrhaften Persönlichkeit und in seinen besten Jahren. Wir haben und wir hatten ein klares Ziel: Erea Israel. Aber von der Verwirklichung dieser selbstverständlichen Forderung ist heute der Blau-Weiß innerlich und äußerlich eben so weit entfernt wie wir. Und dieses Ziel schließt eine Forderung in sich, die viel wesentlicher ist, weil sie eine Forderung des Ersteren ist, ein Am chadasch, wie es A. D. ») C. Z. Klötzel: Unsere Aufgaben. Sondernummer Nr. 9.

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