Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 12 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Wasserlinie. Und um dieses geringen Vorteils willen hat man das verhältnismäßig viel größere Gewicht des Holzes mit fortzubewegen. Das Facit dieses Teils der Rechnung fällt unbedingt zugunsten des schmalen Bootes aus. Gleichen Widerstand verursachende Fläche, günstigere Lage zur Richtung des Gegendruckes beim schmalen Boot, weiterer geringer Reibungswiderstand, da Adhäsion geringer, größeres Deplacement, d. h. größeres Gesamtgewicht des beiseite zu schaffenden Wassers, dessen Wirkung durch die vorstehenden Vorteile bereits gemildert ist, gegenüber einem erheblich größeren Gewicht des Bootskörpers beim breiten Boot. Doch weiter. Im schmalen Vierer soll die Mannschaft einen Teil ihrer Kraft auf das „Imgleichgewichthalten" des Bootes verbrauchen, der hierdurch bewirkte schnellere Kräfteverbrauch beeinträchtigt auf längeren Strecken die Geschwindigkeit, so daß bei Dauerrennen das breite Boot vorteilhafter als das schmale ist. Diese These stimmt keineswegs. Sie ist zutreffend lediglich für Anfänger. Natürlich muß man zugeben, daß bei zwei Anfängermannschaften die mit dem i-m- Boot vor der im 78 - cm - Boot im Vorteil ist; das Bild ändert sich aber sofort, wenn man statt der Anfänger zwei auch nur einigermaßen eingefahrene Mannschaften in die Boote setzt. Bei ungefähr gleicher Kräfteverteilung wird die Mannschaft im schmalen Boot auf einer Strecke von 25 km einen Vorteil von mindestens 20 Minuten herausrudern. Der Grund? Die Anfängermannschaft verbraucht allerdings einen Teil ihrer Kraft auf das „im Gleichgewichthalten" und wird außerdem noch durch das bei Anfängern unvermeidliche Ranken des Bootes geschwächt, bei eingefahrenen Ruderern ist das jedoch nicht der Fall. Sie müssen auch mit geschlossenen Augen so exakt schwingen, daß das Boot nicht schwankt. Bei ihnen geht die ganze Körperarbeit rein instinktmäßig vor sich, ihr Wille ist konzentriert auf gleichmäßige Wasserarbeit und vor allem auf restlosen Einsatz der ganzen Kraft, , denn jeder Sportsmann wird mir bestätigen, daß auch das „Sichausgeben" eine Kunst ist, die gelernt sein will. Für diese Mannschaft spielt lediglich das Gewicht des Bootes eine Rolle, für das Gleichgewicht ist ihre Aufmerksamkeit nicht nötig. Gewiß ist das Rüdern im 78-cm-Boot anstrengender als im 1-m-Boot, das hat aber ganz andere Ursachen. Um den Fortgang des Bootes stetig zu erhalten, braucht man im schmalen Gigboot einen schnelleren mithin anstrengenderen Schlag. Zieht man aber diesen schnellen Schlag im breiten Boot, so tritt erstens die Ermüdung noch schneller als im Ischmalen ein, und zweitens steht die so erreichte größere Geschwindigkeit in keinem Verhältnis zum Mehr der aufgewendeten Kraft. Hinzukommt, daß die Schwere des 1 - m - Bootes das Erreichen des sehr schnellen Tempo fast unmöglich macht. Ich gebe zu, daß, wenn man umgekehrt (den ganz ruhigen Schlag, wie er nur im breiten Boot möglich (ist, in das schmale übernimmt, dieses heftig rankt und in seinem Tortgang gehemmt ist, ob es dabei nicht doch noch schneller ist als jenes, lasse ich dahingestellt. Es liegt eben in der Besonderheit jedes Bootes, bedingt durch die verschiedene Bauart, daß jedes das für sich zweck-