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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 12 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
12 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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6. Ich. versage es mir absichtlich, bereits heute ein endgültiges Urteil darüber abzugeben, was auf Grund der soeben geschilderten Tatsachen zu geschehen habe, und wie wir die Zukunftstnöglichkeiten zu bewerten vermögen. Ich möchte abwarten, bis sich aus dem Kreis der Mitglieder hierüber eine Aussprache entwickelt, von der man wohl hoffen darf, daß sie diese Lebensfrage der Turnerschaft nach allen Seiten hin und von den verschiedensten Gesichtspunkten aus erörtert wird. Fest steht für mich nur das eine, daß der nächste Turntag über Sein öder Nichtsein der Turnerschaft entscheiden wird. Der gegenwärtige Zustand kann weder als lebendige Arbeit, noch als Auflösung bezeichnet werden. C. Z. Klötzel. Bar Kochba* Von Else Hartmann, J. T.-V. Bar Kochba-Kattowitz'. Fast alle führen wir seinen Namen, und doch wissen nur die Wenigsten von uns, wer er eigentlich war und wie die Zeit aussah, in der er gelebt hat. Jch glaube, ein nur geringer Teil der Unseren weiß mehr, als daß Bar Kochba ein Held war, und daß Rabbi Akiba eine Zeit lang in ihm den ersehnten Messias gesehen und erhofft hat. Und doch war Bar Kochba eine so hervorragende Persönlichkeit und seine Zeit so überaus interessant und von so weittragender Bedeutung, daß es sich -wohl lohnt und m. E. sogar unbedingt nötig ist, sich näher mit ihm zu befassen. Es ist merkwürdig, wie wenig von dem so verhängnisvollen jüdischen Kriege gegen Hadrian und von seinem großen Heerführer „Bar Kochba" bekannt ist. Ueber die Dauer des Feldzuges und über seine Ursachen herrschte bis vor kurzem Dunkel. Erst der vor Jahresfrist erschienene Band der Forschungen von Isaak H a 1 e v y gibt uns Aufschluß über diese so schicksalsschweren Ereignisse und über die Dauer des Krieges, den er auf ungefähr 9 Jahre — also von 126—135 schätzt . . Hadrian, der römische Kaiser, war — im bewußten Gegensatz zu seinem kriegerischen Vorgänger Trajan — friedlich gesinnt. Vielleicht fehlten ihm Mut und Entschlossenheit, vielleicht war es sein Ehrgeiz als Friedensfürst zu erscheinen. Jedenfalls hatte es, als er den Thron bestieg, den Anschein, als wäre er den Juden freundlich gesinnt und als sollte das von Trajan gehaßte und verfolgte jüdische Volk nach seinen schweren Leiden einer ruhigen, glücklicheren Zeit entgegengehen. Hadrian hatte den Juden sogar den Wiederaufbau ihres Tempels und ihrer Stadt versprochen und so das Volk für sich gewonnen. Doch nun zeigte sich das Unentschlossene und Wankelmütige in Hadrians Charakter, Durch die eifersüchtigen Intrigen und verläumderischen Anklagen der Griechen und Samaritaner (che Juden würden nach dem Wiederaufbau des Tempels an einen Abfall von Rom trachten) aufgehetzt, nahm er seine Zusage zurück una die Judin sahen sich um ihre Hoffnung betrogen. Und nicht nur das. Es genügte Hadrian nicht, alles beim Alten zu belassen, er wollte die Juden noch tiefer treffen.

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