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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 12 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
12 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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7 Als im Jahre 70 der unmenschliche Titus den Tempel zerstört hatte, glaubte er die Juden damit vollkommen geschlagen zu haben und erwartete nunmehr die Auflösung des Volkskörpers. Nun sah man aber nicht nur staunend, daß der Lebensnerv dieses merkwürdigen Volkes in seinem Religionsgesetz zu suchen war,, sondern auch, daß Stadt und Stätte des zerstörten Tempels nach wie vor der Mittelpunkt, die Sehnsucht und Endhoffnung des nunmehr verstreuten Volkes war. Und diese Hoffnung wollte Hadrian nun für immt.- den Juden nehmen, indem er die Stätte des Heiligtums selbst dadurch dauernd entweihte, daß er den Pflug darüber führte. An Stelle der zerstörten Stadt Jerusalem plante er eine andere, „Aelia Capitolina" zu erbauen, und an der Stelle, wo der Tempel des Herrn gestanden, sollte von nun an dem Jupiter gehuldigt werden. Eine maßlose Erbitterung bemächtigte sich des verhöhnten Volkes. Es mußte zu den Waffen greifen, um sein Heiligstes, Höchstes gegen seinen übermächtigen Feind zu verteidigen. Ich glaube nicht, daß der Kampf der Juden gegen Hadrian nur eine nationale und politische Erhebung war. Sicherlich waren Religionsverfolgungen auch mitbestimmend für diesen Krieg. Die Juden hielten sich zuerst ruhig, aber es gärte in ihnen, und allenthalben konnte man das erste Aufflackern der Empörung wahrnehmen. Noch waren sie nicht einig, noch wagten sie nichts, noch fehlte ihnen ein Oberhaupt. , Da erstand ihnen ein Führer. Bar Kochba war es. Ueber sein Leben und seine Herkunft ist nichts bekannt. Ganz plötzlich war er da, als man ihn brauchte, und einmütig und begeistert strömten von allen Seiten die jüdischen Krieger zu ihm. Ich möchte diese Zeit und das Auftauchen Bar Kochbas mit der Zeit der Richter vergleichen. Das Volk wird bedrängt und unterdrückt, es ist in Not. Da ersteht ihm — aus der Not der Zeit geboren — ein Führer, rein kriegerisch ein Führer, ein Kriegsheld. Wer ist er, woher kommt er?'Niemand weiß es! Er hilft seinem Volke und verschwindet wieder im Dunkel, plötzlich wie er gekommen. Von -seiner gewaltigen Körperkraft, seiner Gewandtheit und seinem kriegerischen Mut erzählt der Talmud1): „Bar Kochba konnte die Steine, welche die Römer nur mit Kriegsmaschinen auf das jüdische Heer schleuderten, mit dem Knie zurückwerfen. So war es auch mit Bar Kochba. Niemand hatte ihn gekannt, da war er auf einmal schon Mittelpunkt einer immer größer werdenden Bewegung. Er stammte aus dem Dorfe Kosib, und sein eigentlicher Name war „Ben-Kosiba". Bar Kochba war nur der Name, den ihm Rabbi Akiba, wohl in der ersten Begeisterung für ihn, gegeben hatte.») Denn R. Akiba war es, der auf ihn den Bibelvers *) Midr. Echa rabb. II» 2. . , . *) Dieser Name bedeutet „Sternensohn" (aram. „bar" hebr. ben und «kochba" =» kochaw). 1 2

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