Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 12 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 nur der körperlichen Betätigung wegen verbleiben. Aber auch dort, wo an sich der Wille zu intensiver Arbeit innerhalb der Turnvereine vorhanden wäre, lassen die Anforderungen im Blau-Weiß oder im K.I.V. hierzu nicht genügend Zeit. Die älteren Zionisten aber, die in der Leitung der einzelnen Vereine eine Rolle spielen, sind fast ausschließlich mit zionistischer Arbeit derartig überhäuft, daß von ihnen nicht mehr verlangt werden kann, als sie ohnehin schon leisten. Um nicht in den Verdacht zu kommen, nur die Schattenseiten unserer augenblicklichen Lage hervorgehoben zu haben, sei ausdrücklich erwähnt, daß es einige, allerdings ganz wenige Vereine gibt, die bereits heute durchaus in unserem Sinne arbeiten und den Anspruch erheben dürfen, als Muster und Beispiel gelten zu können. Man wird erkennen, daß es mir nicht möglich war, irgendwelche einschneidende Aenderungen während meines kurzen Aufenthaltes zu bewirken. Was ich überall getan habe, war folgendes: Ich habe im Kreise der Vorstandschaft und in den Mitgliederversammlungen mit aller Schärfe betont, daß die Turnejschaft eine nat.-jüd. Er z i e hungsar g a n is at i on sei, und daß die Münchener Thesen zum mindesten als ein in absehbarer Zeit zu erreichendes Ziel anzusehen seien. Ich habe meine Ausführungen stets so formuliert, daß ich erwarten mußte, diejenigen Elemente,, die in einem grundsätzlichen Gegensatz zu unserer Auffassung stehen, würden ihre Konsequenzen daraus ziehen und friedlich und schiedlich aus der Turnerschaft herausgehen. Ich möchte ausdrücklich betonen, daß die Turnerschaft kein Recht hat, dieseu Leuten irgendeinen Vorwurf zu machen. Wir haben es zum allergrößten Teile selbst verschuldet, daß eine gewisse Zweideutigkeit m der Auffassung des Charakters der Turnerschaft bisher geherrscht hat Wenn sich heute eine kleinere oder größere Anzahl Menschen von uns trennt, die nicht wünscht, einer nationaljüdischen Organisation anzugehörer», so ist das jetzt noch ein Akt der Ehrlichkeit, und wir wollen nurjioffen, daß die notwendige Scheidung schnell und von beiden Seiten in loyalster Form vpr sich geht. — An einigen Orten beginnt dieser Prozess bereits einzusetzen. Sodann habe ich in allen Vereinen den Vorschlag gemacht, denjugenda,bteSlungen .eine möglichst weitgehende Autonomie in bezug auf ihre Erziehungsarbeit zu gewähren. Ich ging dabei aus von der Erkenntnis, daß die Zukunft der Turnerschaft auf den ganz jungen Menschen beruhe, die tu «ns kommen, und für deren Erziehung wir doch noch vielleicht die nötigen Kräfte aus dem Blau-Weiß oder aus dem K.I.V. heranziehen können, wenn wir ihnen die Garantie geben, wirklich zionistisch arbeiten zu können. Ich denke mir die Sache so, daß diese Jugendabteilungen in Oruppen gegliedert sind, denen Führer vorstehen. Diese bilden dann die Führerschaft der Jugendabteilungen, die autonom über ihre Erziehungsprogramme beschließt. Selbstverständlich untersteht auch die Jugendabteilung in allen allgemeinen Fragen (Turnprogramm, Kassenfragen usw.) dem Oesamtvorstand, der auch ein gewisses, aber nur sehr beschränktes Aufsichtsrecht über die Erziehungsarbeit haben müßte. Ich sehe in dieser Jugendautonomie die einzige Möglichkeit, wenigstens bei den ganz Jungen intensiv erzieherisch zu arbeiten. Man wird abwarten müssen, . wie die einzelnen Vereine meinen Vorschlag verwirklichen, und welche Erfahrungen dabei^ gemacht werden. -12