Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 12 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 zeigt sich fast fiberall der für die Turnerschaft als typisch zu bezeichnende Zustand, daß an der Spitze der Vereine ein paar ältere zuverlässige und arbeitswillige Zionisten stehen, daß die übrige Mitgliedschaft zum großen Teile, oft zum größten Teile von jeder nationaljüdischen Beeinflussung unberührt bleibt, ja sich gegen dieselbe durch passive Resistenz wehrt. Es wurde mir bereits nach ganz kurzer Zeit klar, daß bei diesem Zustand an eine Durchführung der Münchener Thesen in absehbarer Zeit nicht zu denken sein wird. Gleichzeitig erklärt sich aber auch, warum die Beschlüsse des Turntages in solch starkem Widerspruch stehen zu der fast allgemeinen Stimmung jn den Vereinen. Zum Turntage entsandt wurden eben in der Regel jene zuverlässigen älteren Zionisten, die meistens als Vorstand fungieren, und für die es dann selbstverständlich war» radikale Entschließungen anzunehmen. Ich glaube kein Recht zu haben, der Turnerschaft die Mitteilung vorzuenthalten, daß mein Eindruck der ist, daß eine bedenklich große Anzahl von Vereinen, darunter einige unserer größten, als Erziehungsorganisation in national jüdischem Sinne nicht in Frage kommt. Ich 'mußte bei einzelnen Zustände feststellen, die nicht allein alles nationaljüdische Empfinden, sondern darüber hinaus auch noch das primitivste jüdische Anstandsgefühl vermiesen ließen. Es muß allerdings gesagt werden, daß die ärgsten Verstöße gewöhnlich von Kreisen ausgehen, die erst seit kurzer Zeit der Turnerschaft angehören. Es handelt sich zumeist um irgendwelche Sport- oder Fußballabteilungen, die ihre numerische Stärke und die propagandistische Wirkung, die sie besitzen, dazu ausnutzen, um den ganzen Verein zur Duldung von Zuständen zu zwingen, die einfach undiskutabel sind. Wenn beispielsweise die Fußballabteilung eines unserer größten Vereine, um in einen Fußballverband aufgenommen, zu werden, ihre Statuten nicht nur dahin ändert, daß sie sich verpflichtet, „jede unbescholtene Person" aufzunehmen, sondern dann auch gleich die Konsequenz daraus zieht und einen christlichen Trainer mit dem Magen Dawid auf der Brust repräsentativ spielen läßt — wenn, wie gesagt, dies in einem unserer größten Vereine geschehen kann, so wirkt die Unbedingtheit der Münchener Thesen daneben etwas sonderbar. Rund heraus gesagt: ein sehr erheblicher Teil unserer Mitgliedschaft hat nicht das geringste Interesse an nationaljüdischer oder sonstiger Erziehung und wehrt sich energisch gegen jeden Versuch, sie ihnen in irgendeiner Form aufzuzwingen. Steht also die Qrundstimmung in weiten Kreisen der Turnerschaft in stärkstem Gegensatz zu den Auffassungen, die der Turntag für uns als maßgebend deklariert hat, so findet sich doch wohl in jedem Verein eine mehr oder minder zahlreiche Gruppe von solchen, die mit ganzem Herzen Zionisten sind und ehrlich wünschen, daß die Turnerschaft eine Erziehungsorganisation im besten Sinne werde. Nur ist diese Gruppe im allgemeinen in der Minorität, und außerdem sind gerade diese Turner und Turnerinnen zum großen Teil auch in anderen Stellen organisiert,* z. B. im Bfau-Weiß oder im K. I. >Vi Es ist letzten Endes zu verstehen, daß diese jungen Zionisten, die von den anderen Organisationen her wissen, was nationaljüdische Erziehung heißt, sich in der Turnerschaft nicht besonders wohl fühlen, und dort in der Reget