Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 11 (1920) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
11 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6492385-5965084-5965419--892-4923672
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

13 Die Wirkung entsprach den kühnsten Erwartungen. Der Kongreß tagte am 21. und 22. August, schon der 25. August brachte als würdiges Endresultat des Turntages den Zusammenschluß des Bar Kochba und der übrigen Vereine mit insgesamt 1486 Mitgliedern zur „Jüdischen Turnerschaft". Aehnlich der großen zionistischen Mutterorganisation in ihrem Anfangsstadiumwar die Turnerschaft als ungegliederter Weltverband gedacht, und erst ein Jahrzehnt später, als ihr beständiges Anschwellen eine straffere Einteilung zu benötigen begann, mußte sie sich die Gliederung in Landeskreise nach Maßgabe der Gastvolksstaaten gefallen lassen. Höchste Instanz der Jüd. Turnerschaft war nach den Bestimmungen vom Jahre 1903 der Turntag, der während der folgenden Jahre — wie der Kongreß — in jedem zweiten Jahre zusammentrat.. Sern" Exekutivorgan war der „Ausschuß der Jüd. Turnerschaft'', dem nicht nur die Beschlußfassung während' des Turntages oblag, sondern dessen Anordnungen sich auch die Kreisleitungen ständig zu fügen hatten. Die nun folgenden 10 Jahre bilden eine Kette fast ununterbrochener Erfolge für die Jüd. Turnerschaft. Der zweite, 1905 in Berlin abgehaltene Turntag führte bereits Abgesandte von 11 Vereinen nach der Reichshauptstadt, worunter Deutschland durch Berlin, Köln und Stettin, das Ausland u. a. durch Rumänien, durch Wien, Mährisch-Ostrau, Oderfurt, Bielitz-Bialla, Gratz, Lemberg und Braila vertreten war. Die Zahl der Mitglieder betrug 1928. Auf dem dritten, 1907 in Wien abgehaltenen Turntage waren 16 Vereine vertreten; die Mirgliederzahl war auf 2715 gestiegen. Auf diesem Turntag erschienen Abgesandte der bisher selbständigen Jüdischen Turnerrchaft Bulgariens. 1903 auf dem ersten jüdjisch-bulgarischen Turntag zu Philipopel gegründet, hatte sie sich auf iiirem schon ins Jahr 1906 fallenden dritten Turntag für den Beitritt zur Weltorganisation entschieden. Ein dahin lautender Antrag lag denn auch auf dem dritten Turntag zu Wien dem Ausschuß der Jüd. Turnerschaft vor, und wurde von ihm ohne weiteres genehmigt. Bulgarien umfaßte damals (gegen 12 vor Ausbruch des Krieges) folgende 10 Vereine: Philipopel, Rustschuk, Basardschyk, Sofia, Sdhumla, Warna, Widin, Haskow (?), Dubnitza und Jamboly. Das nächste Land, welches turnerisch auf den Plan trat, war kein geringeres als das Land unserer Väter. Im Jahre 1908 lag der erste ausführliche Bericht, über das Turnen in Palästina vor. Jüdische Einwanderer hatten zugleich mit der zionistischen Idee den Gedanken der körperlichen Ertüchtigung dorthin verpflanzt. Vor aHem trat das vielgenannte hebräische Gymnasium zu Jaffa, gemäß seiner volksbildnerischen Bestimmung für die Verbreitung des Mdisc'hen Turnens ein. In erster Linie sei hier des Turnlehrers Orloff gedacht. Wenn man anfangs in Palästina nicht so streng organisatorisch vorging wie in Deutschland, wo ja stets, mit Ausnahme der allerletzten Zeit, das Musterbeispiel der Deutschen Turnerschaft den jüdischen Turnern vor Augen schwebte, so führte hier der gesundere, noch nicht von des Gedankens Blässe angekränkelte Sinn der Kolonisten, das fast gänzliche Fortfallen des „Rücksicntnehmenmüssens" auf die nichtjüdische Bevölkerung früh zu rein sportlichen Anforderungen. Rennen zu Pferde Mnd Hreisschießen — das waren die des Volkes der Schornrim würdigen Spiele. An der Bildung von großstädtischen Turnvereinen beteiligte sich neben Jaffa das Seminar der Lämmelschule zu Jerusalem. Das Jahr 1909 brachte eine weitere Entwicklung in Galizien und Ungarn. Auf dem in diesem Jahre zu Berlin abgehaltenen IV. Turntage lagen Berichte über die Turnvereine in Lemberg, Tarnopol, Krakau, Stanislau und Brody vor. Andere Vereine waren im Entstehen. Im selben Jahr veranstaltete die Turnerschaft ein Schauturnen vor dem IX. Kongreß in Hamburg. Die Zahl der »Heran teilnehmenden Mitglieder betrug 300, also fast das zehnfache der kleinen »war, 'welche der Bar Kochba 6 Jahre zuvor zur Festigung seines Ansehens auf dem VI. Kongreß ins Feld geschickt hatte. Auf dem Hamburger Kongreß erschienen unter den Turnern zum ersten Mal Vertreter aus Budapest. Turnvater Nordau aber konnte in seiner Rede rühmend auf die Fortschritte der Bewegung eingehen, an deren Zustandekommen er 11 Jahre zuvor so regen Anteil genommen hatte. 1 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.