Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 11 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/6492385-5965084-5965419--888-4923668- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
9 waren sie, außer, in einigen wie dem Metzger-, Bäcker-, Schuster- und Schneidergewerbe, nur spärlich vertreten. So war es in Preußen, und in den meisten anderen Ländern. , ,. , . Man hat, als man den durch die Anomalie der Berufsumschichtung verstärkten körperlichen Verfall der Juden erkannte, versucht, ihm entgegenzuwirken. Man hat Vereine gegründet, die die Juden zu Landwirtschaft und Handel zurückführen sollten. Alle diese Versuche sind, von geringen Erfolgen abgesehen, gescheitert. In den Oolusländern war eben der Grund und Boden schon vergeben, und das Handwerk war im Zeitalter der Industrie ein sinkender Stand, zu dem überzugehen die wenigsten Juden Lust verspurten. In Palästina jedoch, auf eigenem Grund und Boden wird es gelingen. Wie aber sollen die Massen des Qolus ihre körperliche Wiedergeburt erleben? Hier setzt die jüdische Turnbewtgu n.g ein. Sie allein kann im Golus zu einer Volksregeneration führen, weil s i e alle Teile und Schichten des jüdischen Volkes, Ost - und Westjuden, Männer und Frauen, Jugendliche und Erwachsene umfaßt. Und sie wird diese Aufgabe lösen! Durch systematische Pflege des Körpers neben der des Geistes werden wir die Menschen schaffen, deren wir bedürfen: Menschen, die stark sind an Körper Und an Geist, harmonisch entwickelte Persönlichkeiten, volle und ganze Menschen und Juden! Das ist der tiefe Sinn der jüdischen Turnbewegung. II. Wir haben bisher von der Bedeutung der jüdischen Turnbewegung gesprochen, wir wenden uns nunmehr ihrer Geschichte zu. Die mehr als 20 Jahre, auf die wir zurückblicken, waren eine Zeit rastlosen Strebens, frisch-fröhlichen Kämpfens und glücklicher Erfolge. Die Nichtjuden und viele unserer Genossen wußten, ehe es eine jüdische Turnbewegung gab, wenig von unserer körperlichen Kraft und Tüchtigkeit. Die Juden hatten bis dahin in nicht jüdischen Turnvereinen geturnt und waren als Juden untergetaucht; ihre Erfolge kamen anderen zugute. Wie die jüdischen Dichter des 19. Jahrhunderts die Dichtung anderer Völker bereicherten, die jüdischen Politiker den Ruhm anderer Völker mehrten, so setzten — und setzen heute noch leider vielfach — jüdische Turner ihren Stolz darin, der Turnbewegung anderer Völker zu größerer Bedeutung zu verhelfen. Und die Welt lebte — zum Teil durch jüdische Schuld — in dem irrigen Glauben, wir seien .ein von Natur aus schwaches Volk, das unfähig zu jeder körperlichen Arbeit sei. Man schloß dies aus offensichtlichen Mängeln, die uns anhafteten, und übersah, daß diese nicht konstitutionell sind, sondern die Folgen einer jahrhundertelangen Entwicklung, die durch entgegengesetzte Entwicklung wieder zu beseitigen sind. Wir hatten bis dahin, wenn man uns unsere angebliche körperliche Unfähigkeit vorhielt, hauptsächlich nur einen historischen Gegenbeweis. Wir wiesen auf unsere Geschichte im Altertum hin, wo der Ruhm jüdischer Kraft und jüdischer Tapferkeit weithin erstrahlte. Wir wiesen auf einzelne Gestalten, wie Simson und David hin, auf einzelne Zeitepochen, wie die der Makkabäer und die des Bar Kochba, in denen große Völker vor dem kleinen jüdischen gezittert haben und in ihren Grundfesten erbebten. — Seitdem sich aber die jüdischen Turner in eigenen Reihen zusammenschlössen, konnten wir mit Gegenwartsbeispielen unsere Kraft beweisen, indem wir auf die Auszeichnungen hinweisen, die wir uns in vielen Wettkämpfen holten. 1 1