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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 11 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
11 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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7 erstens weil man Leute aus Gefahren erretten, zweitens weil man ein „Zeugen"- Qebot erfüllen könnte (nämlich der Frau des Erschlagenen — Frauen gingen bekanntlich nicht in Theater, Stadien usw.20) — anzusagen und Zeuge zu sein vom Tode ihres Gemahls; ohne daß jüdische Zeugen den Leichnam ihres Mannes gesehen hätten, durfte die Frau ihr Lebelang nicht wieder heiraten, z. B. auch nicht die, deren Ehemann bestimmt von der Meeresflut verschlungen wurde, ohne daß zwei Zeugen von den Schiffsinsassen zurückgekommen wären). Heißt es nicht auch im Talmud „Sei von den Zuschauern und nicht von den Mitmachenden" und in der Pesikta21) ebenso? — Es ist darauf zu antworten, daß bei all diesen Fällen den Lehrern des Talmud nur die greulichen und blutigen Gladiatorenkämpfe vor Augen schwebten. Wir alle geben ihnen selbstverständlich recht, wenn sie sich dagegen wehrten, um so mehr, da wir wissen, daß die oben erwähnten gesunden und heimischen Leibesübungen von ihnen längst gekannt und ausgeführt wurden. Sie wandten sich also gegen die spezifisch ausländischen Einführungen, (Nacktheit, blutige Kämpfe). Die seit alters bekannten Leibesübungen verachteten sie nicht, ihre gelehrtesten Führer und Häupter pflegten sie sogar, wie wir gehört haben. Und haben auch die Griechen manche Neuerungen in ihr Land gebracht auf dem Gebiete der körperlichen Uebungen, so haben sie ihnen wohl Verständnis entgegen gebracht,22) hielten es aber für eine Ehrensache, die mit den jüdischen Anschauungen nicht in Einklang zu bringenden neuen Formen den Heiden nicht nachzuahmen; aus demselben Grunde war auch ihre Sprache (siehe Anmerkung 22) zu gebrauchen verboten, allen, außer den Richtern. Es war trotzdem nicht zu vermeiden, daß ein anderer Teil der damaligen Judenheit sich krampfhaft bemühte, sich dem Griechentum zu assimilieren, und wenigstens seine äußerlichen Kennzeichen — zu den übrigen waren sie nicht imstande —, die hellenistische Gymnastik sich anzueignen, und idie Theater und Kampfplätze aufzusuchen.23) Diese Sucht nach Assimilation zog zwei schlimme Folgen nach sich: die eine war der Antisemitismus oder mit Heinrich Loewes Worten94) »die selbstverständliche, nur dem Juden nicht verständliche Reaktion auf ihre krampfhaften Bemühungen, nur die Religion zu behalten, sonst aber in der Umgebung national zu verschwinden"; die andere war die Rückwirkung darauf, die Erhebung der Makkabaer. — Analog der heutigen Zeit! — Eine merkwürdige Stelle ist uns überliefert im babylon. Talmud23), aus der die, sowohl im Altertum als auch in der Neuzeit von allen Völkern und Kassen vertretene Ansicht hervorgeht, daß die Menschen von Geschlecht zu Ge- Sn it?* degenerierter, schwächer und damit häßlicher würden. — Bis etwa vor a t£?"£en war diese Ansicht zumindest für uns Juden berechtigt. Seit dem Aufblühen der Jüd. Turnerschaft, die nach den obigen Ausfunrungen also so) Ruth R. „Es ist nicht Sitte, daß jüdische Töchter Theater und Zirkusse besuchen" — (aber Männer taten es!) Sl) Pes. Rab. bajom haschmini 191 b (Buber). . ") Ebenso wie ihrer Sprache, von der sie sagten (Jer. Meg. 1,8, „Das Hr,ecn,sch ist sehr hübsch für den Gesang, Latein als Militärsprache, das Syrische •urs Klagelied, aber das Hebräische zum Sprechen" und an einer anderen Stelle •5!- '®a^ "^as scnonste Erzeugnis der indogermanischen Rasse ist die Gewöhne "SpraChe' d'e wonl,auten°*r klingt als alle Sprachen der östlichen ii *!) Tauch- I- Schemoth § 6 klagt, daß in den Cirkussen und Theater ailzuviele Juden waren (— wie heute!) **) H. Loewe, Sprachen der Juden, Seite 26. ") Bab. Bathr. 58 a. \

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