Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 11 (1920) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
11 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/6492385-5965084-5965419--885-4923665
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

6 Ein lateinischer Bibelexegetiker jener Epoche berichtet:13) Mos est in urbibus palestinae et usque hodie per omnem Judäam vetus consuetudo servatur, ut in viculis, oppidis et castelhs rotundi ponantur lapides, gravissimi ponderis ad quos iuvenes exercere se soleant et eos pro varietate virium sublevare, alii usque ad genua, alii usque ad umbilicum, alii ad humeros et Caput, nonnulli super verticem rectis junctisque manibus, magnitudinem virium demonstrantes pondus extollant e. t. c. (Ein Latein, für das man in der Schule sicher eine „Fünf" kriegen würde!) „Es ist Sitte in den Städten Palästinas und es ist ein bis zum heutigen Tag in ganz Judäa geübter Brauch, daß in Dörfern, Städten und Burgen runde Steine von schwerem Gewicht aufgestellt werden, an denen die Jugend ständig übt und die sie je nach ihrer Körperkraft emporzustemmen pflegt. Die einen bringen sie bis an das Knie, die andern bis in Nabelhöhe, wieder andere in Schulterhöhe und sehr wenige heben sie mit gestreckten und (gleichseitig) befestigten Armen bis über den Scheitel, um ihre vorzügliche Körperkraft zu demonstrieren." Die beliebteste Körperübung unserer Väter in dieser" Periode war das Schwimmen, dessen vielseitige Vorzüge hervorzuheben hier nicht am Platz ist, — wir kennen sie alle. Das Schwimmen, seinen Kindern beizubringen, war eine der Pflichten der väterlichen Erziehung („Welches sind die väterlichen Pflichten bei der Erziehung des Sohnes, . . . ihn schwimmen zu lehren".)14) ■ Im Midrasch15) wird sogar kurz die Technik des Schwimmens beschrieben. Der Midrasch16) überliefert uns auch, daß Hillel, auf dem Wege ins Bad gefragt, wohin er gehe, geantwortet habe, er ginge „ein Gebot erfüllen". Gelegentlich der Beschreibung des Badewesens gebraucht der Talmud das uns heute für „Turnen" geläufige hebräische Wort hithamel als Synonym zu rapho heilen zum ersten Male.17) „Man darf am Sabbath nicht auf dem Boden einer Therme stehen, weil diese heilend wirkt'-', (mipne schem' ameleth um' rape). Das Wort amal bedeutet eigentlich sich abmühen (hier vielleicht schwitzen?) zu einem guten Zwecke (hier des Genesens). Steinschleudern („Kugelstoßen") wurde von Kindheit an geübt. Bekannt ist der Vers in Richter 20,16, in dem es heißt, daß bei einer Musterung der Benjameniten 700 lahm auf dem rechten Arm waren, aber immerhin noch „mit der Linken Steine schleudern konnten, ohne um ein Haar zu fehlen". Jüdische Athleten gab es auch im Altertum zur Genüge, und aus dem jerus. Talmund (B. mez. 10, 5) können wir sogar entnehmen, daß die olympischen Spiele in Griechenland auch von jüdischen Wettkämpfern besdiickt wurden. Natürlich fehlte es auch nicht an Vorführungen der erworbenen körperlichen Höchstleistungen. Selbst Akrobatenstücke wurden zur Schau getragen, nicht von Berufsathleten, sondern oft auch von den größten Gelehrten. An den durch Gesang und Tänze der Jünglinge und festlich gekleideten Jungfrauen ausgezeidineten Abenden des Wasserfreudenfestes beteiligte sich auch Rabbi Simon ben Gamniel.18) Er warf 5 brennende Fackeln derart in die Höhe, daß er, während er die eine warf, die andere auffing, wobei sie nicht einmal einander berührten. Rabbi Levi tat dasselbe zu seiner Zeit mit 8 scharfen Messern, und der weltberühmte Arzt und Astronom Rabbi Samuel führte ähnliche Uebungen mit 8 gefüllten Weiifcläsern aus. Aber auch von anderen Personen findet man im Talmud außerordentliche körperliche Befähigungen gerühmt. — — Alles ganz gut und schön, aber, wird da mancher einwerfen, verbietet nicht die Misna"! den Besuch von Stadien, ja sogar die Beteiligung an deren Bau? Ist es nicht bekannt, daß unsere Weisen erst in der späteren Zeit den Besuch von Stadien und Zirkussen gestattet haben und nur aus dem Grunde, 1S) Hieronymus zu Zach. 12, 3. ") Tos. Kidd. 1, 11. ») Tehillim R. 114, 7. 1S) Wajikrah R. 24. ") .Sabbath 147, b. «) Sukka 58 a. ") Aw. Z. I, 7; Tos. Aw. Z. 2, 6.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.